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Patagonia bringt seine Reparaturwerkstatt zu den Klettergebieten Europas

Autor Benjamin Lamm 1
Benjamin Lamm
9. April 2026
Patagonia Worn Wear Climb Tour 2026

Wer klettert, weiß: Ausrüstung lebt. Sie hat Schrammen, Flecken, ausgebesserte Stellen – und genau das macht sie wertvoll. Irgendwann reißt eine Naht, ein Reißverschluss hängt, ein Loch entsteht da, wo die Felskante zu scharf war. Und dann? Neu kaufen ist die einfache Antwort. Aber nicht unbedingt die richtige.

Patagonia denkt das seit Jahren anders – und zeigt es mit der Patagonia Worn Wear Climb Tour 2026 wieder ganz konkret: Mobile Reparaturwerkstätten touren durch Europa, halten an Klettergebieten und Outdoor-Festivals und bringen kaputte Kletterkleidung wieder auf Vordermann. Kostenlos. Vor Ort. Und egal von welcher Marke das Stück stammt.

 

Was ist die Patagonia Worn Wear Climb Tour 2026?

Das Worn Wear-Programm hat Patagonia 2013 ins Leben gerufen – mit einer Haltung, die in der Outdoor-Branche nicht selbstverständlich ist: Die beste Ausrüstung ist die, die du bereits besitzt. Kein Neukauf, kein Upgrade, kein „die neue Saison bringt sowieso was Besseres“. Stattdessen: Reparieren, was noch zu reparieren ist.

Drei handgebaute Reparaturfahrzeuge – ausgestattet mit Nähmaschinen, Werkzeug und einem bunten Vorrat an Flicken – machen 2026 wieder Station an Klettergebieten und Outdoor-Events in ganz Europa. Frankreich, Italien, die Schweiz, Großbritannien, die Niederlande und Deutschland stehen auf dem Plan.

Repariert wird alles, was an Kleidung kaputt gehen kann: gerissene Reißverschlüsse, Löcher, Risse, ausgeleierte Knöpfe, kaputte Schlaufen. Wer möchte, schaut dem Team auch einfach zu und nimmt selbst ein paar Handgriffe mit – wie man flickt, eine Imprägnierung auffrischt oder einen Reißverschluss selbst tauscht.

 

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© Simon Toplak

 

Für Deutschland: Frankenjura Kletterfestival im Juni

Für alle aus der Region ist der Stopp im Frankenjura besonders spannend. Vom 4. bis 7. Juni 2026 ist das Worn Wear-Team beim Frankenjura Kletterfestival dabei – einem der bekanntesten Klettertreffen Deutschlands, mitten in einem der besten Klettergebiete Europas.

Wer also eine alte Hardshelljacke, eine verwaschene Softshell oder einen Klettergurt mit durchgeriebener Nähtstelle zuhause hat – das ist die Gelegenheit. Einfach mitbringen, reparieren lassen, weiterbenutzen.

 

Alle Stopps der Worn Wear Climb Tour 2026

  • 24.–26. April: Saint-Léger-du-Ventoux, Frankreich
  • 8.–9. Mai: Dorenaz Climb Crag, Schweiz
  • 8.–10. Mai: La Palud-sur-Verdon, Frankreich
  • 15.–17. Mai: European Outdoor Week, Italien
  • 23.–24. Mai: Climb Out Festival, Großbritannien
  • 4.–7. Juni: Frankenjura Kletterfestival, Deutschland
  • 27.–28. Juni: Outside Hathersage, Großbritannien

 

Warum kostenlose Reparaturen einen Unterschied machen

Es klingt fast zu einfach, um wahr zu sein: Wer ein Kleidungsstück nur neun Monate länger nutzt, reduziert laut der britischen Organisation WRAP den damit verbundenen CO₂-Ausstoß, den Wasserverbrauch und das Abfallaufkommen jeweils um 20 bis 30 Prozent. Nicht weil man in einem speziellen Programm ist. Nicht weil man seltener wäscht. Sondern einfach, weil man nicht neu produziert.

Kleidung herzustellen kostet Ressourcen – Wasser, Energie, Rohstoffe. Jedes Mal, wenn ein Kleidungsstück nicht weggeworfen, sondern repariert wird, entfällt der Bedarf, ein neues herzustellen. Das ist keine große Geste, sondern schlicht Konsequenz.

Patagonia geht dabei weiter als die meisten: Das Unternehmen hat gemeinsam mit dem United Repair Centre bereits Reparaturwerkstätten in Amsterdam und London eröffnet und will bis 2028 jährlich 100.000 Kleidungsstücke reparieren. 2025 waren es europaweit bereits über 35.000 Stücke – dazu kommen mehr als 2.300 Reparaturen, die das mobile Worn Wear-Team allein bei seinen Touren durchgeführt hat.

Weltweit gibt es mittlerweile über 110 Reparaturstellen, die Patagonia-Kleidung kostenlos oder gegen geringe Gebühr in Stand setzen. In Europa arbeiten 15 Reparaturpartner mit der Marke zusammen.

 

Die Haltung dahinter

Klettern kennt diese Logik eigentlich schon lange. Wer am Fels unterwegs ist, weiß: Ein verletzter Finger lässt sich nicht austauschen. Eine Sehne braucht Zeit, keine neue Ausrüstung. Die gleiche Sorgfalt, die wir unserem Körper gegenüber aufbringen, können wir auch unserer Ausrüstung gegenüber zeigen.

Patagonia-Kletterambassador Robbie Phillips bringt es auf den Punkt: Für ihn ist Kleidung kein Verbrauchsgegenstand, sondern ein Patchwork aus Geschichten – erzählt durch die Abnutzungsspuren, Risse und Flicken, die ein Kleidungsstück im Laufe der Zeit ansammelt.

Das ist eine andere Art, Outdoor-Ausrüstung zu denken. Weniger Konsum, mehr Verbindung.

 

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© Patagonia