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Weniger tragen, mehr erleben: Fjällräven erfindet seinen Kultklassiker Kajka neu

Autor Tom Jutzler
Tom Jutzler
9. April 2026
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Die schwedische Outdoormarke bringt mit dem Kajka X-Lätt einen preisgekrönten Trekkingrucksack auf den Markt, der nur knapp über ein Kilogramm wiegt – und dabei auf einen Rahmen aus Birkenholz setzt. Eine kleine Revolution mit großer Geschichte.

Es gibt Geschichten, die beginnen in einem Keller. Die von Fjällräven ist so eine. 1960, in der nordschwedischen Kleinstadt Örnsköldsvik, hatte ein junger Mann namens Åke Nordin ein Problem: Die Rucksäcke, die es damals auf dem Markt gab, waren ihm schlicht zu schwer. Also baute er sich seinen eigenen. Er nannte ihn LÄTT – schwedisch für „leicht“. Was damals als pragmatische Lösung eines frustrierten Outdoorsportlers begann, wurde zum Gründungsmythos einer Marke, die heute in über 70 Ländern Ausrüstung verkauft und mit dem Kånken einen der meistverkauften Rucksäcke der Welt hervorgebracht hat.

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Leicht, leichter, Kajka

Jetzt, mehr als sechs Jahrzehnte später, kehrt Fjällräven zu genau diesem Gründungsgedanken zurück – und zwar auf eine Weise, die aufhorchen lässt. Mit dem Kajka X-Lätt präsentiert die Marke für Frühjahr/Sommer 2026 eine radikal abgespeckte Neuinterpretation ihres legendären Kajka Trekkingrucksacks. Das Ergebnis: ein vollwertiger Trekkingrucksack mit 45 Litern Volumen, der gut ein Kilogramm auf die Waage bringt. Genauer gesagt 1.155 Gramm in der Größe S/M und 1.185 Gramm in M/L – ein kleines bisschen mehr als ein Kilogramm also, aber für einen Rucksack dieser Kategorie ein bemerkenswerter Wert. Wer es noch leichter mag, kann einzelne Module abnehmen und kommt auf ein Minimalgewicht von rund 1.050 Gramm.

Die Fachwelt hat den Kajka X-Lätt bereits für sich entdeckt. Der Rucksack wurde sowohl mit dem ISPO Award 2025 als auch als Gesamtsieger des Scandinavian Outdoor Award (Frühjahr/Sommer 2026) ausgezeichnet – zwei der renommiertesten Preise der Outdoorbranche. Dass gleich beide Jurys dem gleichen Produkt ihre höchste Anerkennung zollen, ist bemerkenswert und zeigt, dass Fjällräven hier offenbar einen Nerv getroffen hat.

Doch was genau macht den Kajka X-Lätt so besonders? Es ist nicht allein das geringe Gewicht, auch wenn dieses für einen vollwertigen Trekkingrucksack dieser Größenordnung durchaus beeindruckend ist. Es ist vielmehr die Art und Weise, wie Fjällräven dieses Gewicht reduziert hat – nämlich ohne die Prinzipien zu verraten, für die die Marke seit ihrer Gründung steht: Langlebigkeit, Funktionalität und ein möglichst geringer ökologischer Fußabdruck.

Das vielleicht auffälligste Detail ist der Rahmen. Wo andere Hersteller auf Aluminium oder Kunststoff setzen, verbaut Fjällräven beim Kajka X-Lätt einen Rahmen aus Birkenholz. Das klingt zunächst ungewöhnlich, ist aber bei genauerem Hinsehen konsequent: Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, bietet eine hervorragende Stabilität im Verhältnis zu seinem Gewicht und lässt sich am Ende seines Lebenszyklus natürlich abbauen. Der Birkenholzrahmen sorgt dafür, dass sich das Gewicht des Rucksacks gleichmäßig auf den Körper verteilt und der Tragekomfort auch bei längeren Touren erhalten bleibt.

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Robust und ohne PFAS

Das Hauptmaterial des Rucksacks ist Vinylon F, ein Material, das Fjällräven-Kennerinnen und -Kenner bereits von anderen Produkten der Marke kennen. Es ist robust, langlebig und hat den Vorteil, dass es ohne den Einsatz von PFAS – also ohne per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen – hergestellt wird, jene umstrittenen Chemikalien, die in der Outdoorbranche zunehmend in der Kritik stehen. Boden, Rückenteil und Hüftgurt bestehen zusätzlich aus recyceltem Polyamid-Ripstop.

Besonders durchdacht ist das modulare Aufbewahrungssystem. Der Kajka X-Lätt verfügt über ein 45-Liter-Hauptfach mit dem bewährten Snowlock-Verschluss, elastische Seitentaschen aus Mesh, die sowohl von oben als auch von der Seite zugänglich sind, sowie abnehmbare dehnbare Fächer an der Frontseite für Verstärkungsbekleidung. Eine herausnehmbare Innentasche lässt sich bei Bedarf als eigenständige Umhängetasche verwenden – praktisch für Tagesausflüge vom Basislager aus. Wer das absolute Minimum an Gewicht anstrebt, kann die Innentasche, die elastische Fronttasche und die seitlichen Kompressionsbänder einfach abnehmen.

Go Sister!

Ein Detail, das in der Pressemitteilung die Fjällräven veröffentlicht hat fast beiläufig erwähnt wird, aber Aufmerksamkeit verdient: Das Testteam, das den Kajka X-Lätt entwickelt hat, bestand zu 60 Prozent aus Frauen. Das ist in einer Branche, die ihre Produkte traditionell an männlichen Durchschnittskörpern entwickelt und dann in kleineren Größen auch Frauen anbietet, alles andere als selbstverständlich. Das Ergebnis sind ergonomisch geformte Schultergurte, ein anatomisch gebogener Hüftgurt und eine flexibel einstellbare Rückenlänge, die sich tatsächlich an unterschiedliche Körperformen anpassen lassen – nicht nur in der Theorie, sondern getestet unter realen Bedingungen.

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Kompromisslos FJR

Diese Bedingungen fanden sich zwischen Nikkaluokta und Abisko in der nordschwedischen Wildnis, der Heimat von Fjällräven. Wer diese Strecke kennt – sie ist Teil des berühmten Kungsleden, des Königswegs –, weiß, dass die Natur dort keine Kompromisse kennt. Wechselndes Wetter, steiniges Terrain, Flussquerungen und lange Etappen: Was hier funktioniert, funktioniert überall. Harald Björn, Koordinator für Praxistests bei Fjällräven, und Bekleidungsdesignerin Angelica Lindersson gehörten zu jenen, die die Prototypen unter diesen Bedingungen auf Herz und Nieren prüften.

Der Kajka X-Lätt ist allerdings nur der Anfang. Im Juni 2026 folgt mit Keb Lätt eine komplett neue Kollektion für leichtes Trekking, die von der Windjacke über Trekkinghosen bis zu Tights reicht. Die Keb Lätt Wind Jacket etwa wiegt in der Damengröße S gerade einmal 108 Gramm und lässt sich in eine Packtasche verstauen. Die Abisko Hybrid Trail Trousers Zip-off kombinieren das bewährte G-1000 Lite Stretch Material an der Vorderseite mit elastischem Stretchmaterial am Rücken und lassen sich per Reißverschluss in Shorts verwandeln – ein Multitalent für wechselhafte Sommertage.

Was Fjällräven mit dem Konzept „leichtes Trekking“ meint, geht dabei über reine Gewichtsoptimierung hinaus. Es ist eine Philosophie, die sich mit dem schwedischen Begriff „lagom“ beschreiben lässt – genau das Richtige mitnehmen, nicht zu viel und nicht zu wenig. Leichtigkeit bedeutet für die Marke nicht Verzicht, sondern bewusstes Packen. Wer weniger trägt, geht leichteren Schrittes, kommt weiter und nimmt seine Umgebung intensiver wahr. Es ist im Grunde die gleiche Idee, die Åke Nordin 1960 in seinem Keller hatte – nur mit den Materialien und Technologien von heute umgesetzt.

In einer Zeit, in der die Outdoorbranche zwischen immer neuen Hightech-Materialien und dem wachsenden Bewusstsein für Nachhaltigkeit navigiert, zeigt Fjällräven mit dem Kajka X-Lätt, dass beides kein Widerspruch sein muss. Recycelte Materialien, ein Holzrahmen aus nachwachsenden Rohstoffen, der Verzicht auf PFAS und ein modulares Design, das Reparaturen erleichtert und die Lebensdauer verlängert – all das in einem Rucksack, der kaum mehr wiegt als eine Flasche Wasser.

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Der Kajka X-Lätt ist ab sofort im Fjällräven Onlineshop, in Fjällräven Stores und bei ausgewählten Einzelhändlern erhältlich. Er kommt in zwei Größen (S/M und M/L) und in den Farben Fossil und Green. Die Keb Lätt Kollektion folgt ab Juni 2026.