Zum Hauptinhalt springen

Saas-Fee/Saastal: Fünf Hütten, achtzehn Viertausender

Hüttenwanderung Saas-Fee - wyldmagazin wyldmag saas fee Almergelleralp, Hüttentrekking ©Switzerland Tourism Lorenz Richard 4

In Saas-Fee/Saastal, inmitten der höchsten Gipfel der Schweiz, hat man das Hüttenwandern zur Kunstform erhoben. Die Saaser Hüttentour (Hüttenwanderung Saas-Fee) verbindet fünf Berghütten auf 65 Kilometern und 5.227 Höhenmetern. Eine Reise durch die Gletscherwelt und Steilwände, die auch in Etappen funktioniert – und die das Wort »alpin« neu definiert.

Der Dom wirft seinen Schatten über das Tal. 4.545 Meter hoch, der höchste Berg, der vollständig auf Schweizer Boden steht, und er steht da, als wäre es nichts. Links das Täschhorn, rechts der Alphubel, dahinter in einer langen Kette das Allalinhorn, das Rimpfischhorn, das Strahlhorn. Achtzehn Viertausender umrahmen das Saastal wie eine Fassung ihren Edelstein.

wyldmagazin wyldmag saas fee Saas Fee, Wanderpaar 1 6 © Switzerland Tourism Jan Geerk

Ein Dorf ohne Motoren

Saas-Fee ist seit 1951 autofrei – eine Entscheidung, die damals als rückständig galt und sich als visionär erwiesen hat. Man parkt am Ortsrand und betritt ein Dorf, das seinen Charakter bewahrt hat: dunkle Walliser Holzhäuser neben modernen Hotels, schmale Gassen, denkmalgeschützte Speicher auf Stelzen, das ferne Grollen eines Gletscherabbruchs statt Motorenlärm. Durch die geschützte Lage scheint an vier von fünf Tagen die Sonne. Zum Saastal gehören neben Saas-Fee die Gemeinden Saas-Grund mit der Hohsaas-Bahn und dem 18-Viertausender-Panoramaweg, Saas-Almagell mit dem Mattmark-Stausee – dem größten Erddamm Europas – und Saas-Balen mit barockem Rundkirchturm und Fellbach-Wasserfall.
wyldmagazin wyldmag wallis Saas Fee, Dorf 5 © Switzerland Tourism Jan Geerk
wyldmagazin wyldmag wallis Saas Fee, Dorf 2 1 © Switzerland Tourism Jan Geerk

Die Saaser Hüttentour
(Hüttenwanderung Saas-Fee)

Wer das Tal in seiner Wucht erleben will, schnürt den Rucksack: fünf Etappen, fünf Hütten, 65 Kilometer, 5.227 Höhenmeter, rund 26 Stunden Wanderzeit. Die Route führt durch eine der wildesten Hochgebirgslandschaften der Alpen, vorbei an Gletschern und Steilwänden, über Pässe und Grate. Die Schwierigkeit steigert sich: Die Etappen zur Weissmieshütte und zur Almagellerhütte eignen sich für geübte Bergwanderer. Ab der Königsetappe zur Britanniahütte – mit Gletscherüberquerung und Blick auf den türkisfarbenen Mattmark-Stausee – braucht man alpine Erfahrung. Doch man muss nicht die ganze Tour machen. Jede Hütte ist als Tagesausflug erreichbar, und genau das macht den Reiz aus: Man kann sich die Rosinen herauspicken.
wyldmagazin wyldmag wallis Almergelleralp, Hüttentrekking ©Switzerland Tourism Lorenz Richard 3
wyldmagazin wyldmag wallis Almergelleralp, Hüttentrekking ©Switzerland Tourism Lorenz Richard 7

Die Almagellerhütte: Alpenfeeling pur

Ein besonders lohnendes Ziel ist die Almagellerhütte auf 2.894 Metern an der Südseite des Weissmies. Sie ist Ausgangspunkt für Hochgebirgs-, Kletter- und Wandertouren – und zugleich ein Ort, der Tagesgäste mit offenen Armen empfängt. Der Zustieg führt über den Almageller Höhenweg, einen der schönsten Panoramawege der Region. Der Pfad schlängelt sich am Hang entlang, mit Blick auf den Mattmark-Stausee, dessen Wasser je nach Tageszeit zwischen Türkis und Dunkelblau changiert. Die Mischabelkette steht als Kulisse im Westen, schneebedeckt auch im Hochsommer.

Karge Felsen, wilde Bäche, die über Gestein stürzen, und ein weiter Blick über die Saaser Gipfel, der sich im Abendlicht ständig verändert. Die Luft auf dieser Höhe ist klar und kühl, selbst im August. Am Abend, wenn die Tagestouristen abgestiegen sind und die Hüttengäste sich auf der Terrasse versammeln, liegt Stille über dem Tal. Das Licht wird weich, die Schatten lang. Die Hütte serviert ein einfaches, gutes Nachtessen – Suppe, Hauptgang, Dessert –, und danach sitzt man noch eine Weile draußen, bis die Kälte einen ins Lager treibt und man unter einer schweren Wolldecke liegt, während draußen die Sterne über den Viertausendern stehen.

wyldmagazin wyldmag wallis Almergelleralp, Hüttentrekking ©Switzerland Tourism Lorenz Richard 2

Ferienhäuser mit Gletscherblick

Nicht jeder will auf der Hütte schlafen, und nicht jeder muss. Zurück in Saas-Fee bieten die drei Ferienhäuser Aristella, Bellevue und Alpenglück eine Basis, die das Beste aus zwei Welten vereint: die Nähe zu den Bergen und den Komfort einer eigenen Wohnung. 15 Ferienwohnungen stehen zur Wahl, von der kompakten Studiogröße bis zur geräumigen 6,5-Zimmer-Wohnung für bis zu zwölf Personen. Die Lage ist sonnig und ruhig, mit freier Sicht auf die Berg- und Gletscherwelt, die man morgens beim Kaffee auf dem Balkon in aller Ruhe betrachten kann, bevor man die Wanderschuhe schnürt.
wyldmagazin wyldmag wallis Saas Fee, Dorf 1 4 © Switzerland Tourism Jan Geerk

Klettersteige, Gletscher, Gipfel

Sieben Klettersteige hat das Saastal, darunter den Klettersteig Britannia auf 3.130 Metern – einer der höchstgelegenen der Schweiz. Die Gorge Alpine, eine Klettertour durch die Feeschlucht, zeigt das Tal von innen: enge Schluchten, Hängebrücken, Leitern, moosbedeckte Felswände. Geführte Gletschertouren über den Feegletscher erklären Spalten und Moränen. Und wer einen Viertausender besteigen will, fährt mit der Metro Alpin – der weltweit höchsten Standseilbahn – auf 3.456 Meter zum Mittelallalin und wandert die letzten 500 Höhenmeter zum Allalinhorn, mit Bergführer, wegen der Spalten.

Am Abend, zurück in Saas-Fee, sitzt man auf der Terrasse eines Restaurants und bestellt Raclette. Der Käse wirft Blasen, das Brot ist knusprig, der Duft würzig. Gegenüber, hinter den Dächern des Dorfes, steht der Dom, weiß und riesig, wie ein Wächter, der nie schläft. Man sieht den Fee­gletscher, der im letzten Licht des Tages glänzt, und hört, wenn man genau hinhört, das leise Rauschen der Feevispa, des Bachs, der aus dem Gletschertor kommt und sich durch eine tiefe Schlucht ins Tal stürzt.

wyldmagazin wyldmag saas fee Klettersteig Britannia Sommer 2022 (3)

Schaut, diese Berge!

Die Sterne kommen langsam, einer nach dem anderen, und irgendwann ist der Himmel so voll davon, dass man verstummt. Die Lichtverschmutzung ist in Saas-Fee minimal – keine Straßenlaternen, keine Autoscheinwerfer, keine Leuchtreklamen. Nur das Licht der Restaurants und Hotels, das warm durch die Fenster fällt. Und darüber die Milchstraße, so deutlich wie ein Pinselstrich auf schwarzem Samt.

Man kann eine Woche bleiben oder einen Sommer. Man kann die ganze Hüttentour gehen oder nur zur Britanniahütte aufsteigen und auf der Terrasse einen Kaffee trinken. Was zählt, ist nicht, wie weit man geht, sondern dass man geht. Und dass man, irgendwann, stehenbleibt und einfach schaut.

wyldmagazin wyldmag wallis Almergelleralp, Hüttentrekking ©Switzerland Tourism Lorenz Richard 5
wyldmagazin wyldmag saas fee Hüttenwanderung Saas Fee Domodossola Almagelleralp32

Text: Tom Jutzler
Fotos: Lorenz Richard, Puzzle Media,
Filme von Draussen, Jan Geerk (Saas-Fee/Saastal)

Nützliches Wissen


  • Saaser Hüttentour:

    5 Etappen, 65 km, 5.227 Hm, ca. 26 Std. Gehzeit. Auch als Einzeletappen machbar. Buchbar als Pauschale mit Gepäcktransport. Infos und Buchung: www.saas-fee.ch

  • Übernachten:

    Almagellerhütte: Ausgangspunkt für Bergtouren. Zustieg über den gleichnamigen Höhenweg ab Saas-Almagell. www.almagellerhuette.ch

    Ferienhäuser Aristella, Bellevue und Alpenglück in Saas-Fee: sonnig, ruhig, mit Gletscherblick. Kurze Wege ins Zentrum. www.ferien-in-saas-fee.ch

  • Saastal-Card:

    Ab der ersten Übernachtung gratis: Bergbahnen und Busverkehr im gesamten Saastal plus Ermässigungen auf Mountaincarts, Hallenbad, Gorge Alpine und Sportanlagen. www.saas-fee.ch/saastalcard

  • Mattmark-Stausee:

    Größter Erddamm Europas. Tolle Lage am Monte-Moro-Pass. Rundweg um den See ca. 2 Std. Restaurant mit Seeterrasse. Postauto ab Saas-Almagell (mit Saastal-Card ­kostenlos).

  • Anreise:

    Eigenes Fahrzeug oder Zug bis Visp, Postauto ins Saastal.

  • Währung & Bezahlen:

    Die Währung in der Schweiz ist der Schweizer Franken (CHF). Als Tourist bezahlt man am besten bargeldlos mit Kredit- oder Debitkarten (Visa, Mastercard), da dies weit verbreitet, sicher und oft günstiger ist. Euro werden zwar in vielen touristischen Orten akzeptiert, Wechselgeld gibt es jedoch meist in CHF zu schlechteren Kursen.