Abenteuer & Allrad 2026: Ausnahmezustand in Bad Kissingen

Rund 400 Aussteller, über 110.000 Quadratmeter, vier Tage Bad Kissingen im Ausnahmezustand – die Abenteuer & Allrad ist seit 28 Ausgaben das verlässlichste Barometer dafür, wo die Offroad- und Overlanding-Szene gerade steht. Dabei strömen Gäste aus aller Welt in das unterfränkische Offroad-Mekka. Wir waren am Samstag und Sonntag vor Ort. Das Fazit vorweg: Die Abenteuer & Allrad 2026 war sehr gut organisiert, gut besucht und hat gezeigt, dass der Markt für mobiles Abenteuer nicht konsolidiert, sondern weiter ausdifferenziert.
In diesem Beitrag
Atmosphäre und Organisation: Selten so entspannt
Wer die Abenteuer & Allrad kennt, weiß: Der Shuttle vom Parkplatz am Stadtrand hinauf zum Messegelände ist Teil des Rituals. Auch 2026 funktionierte das reibungslos. Auf dem Gelände selbst herrschte an beiden Tagen dichtes, aber nie unangenehmes Gedränge. Die Wege zwischen den Ständen waren gut durchdacht, die Aussteller hatten Platz für echte Fahrzeugpräsentationen statt bloße Schaufensteraufstellung. Auffällig: die gute Stimmung – sowohl bei den Ausstellern als auch bei den Besuchern. Wer mit dem Besuch der AA eine Erwartung verbindet, wird selten enttäuscht.


Die Camp Area: Das eigentliche Herzstück
Die Camp Area auf den Saalewiesen ist seit Jahren kein Anhängsel mehr, sondern das Herz der Veranstaltung. Reise- und Expeditionsmobile aus aller Welt, wild kombiniert, aufwendig ausgebaut oder radikal minimalistisch – der Campground erzählt die ehrlichsten Geschichten der Messe. Wer dort abends zwischen einem Hilux-Pickup aus Dänemark und einem handgemachten Campervan aus Portugal steht und zuhört, versteht mehr über den Zustand der Szene als durch jeden Messekatalog. Hier werden Fahrzeuge gehandelt, die besten Stories geteilt und gefachsimpelt. Begleitet werden die Offroad-Camp-Vibes von einem musikalischen Programm im Festzelt auf Camp 1.

Ausrüstung und Zubehör für Offroad-Fans
Die Ausrüstungsseite der Abenteuer & Allrad 2026 war stark besetzt – und das in einer Breite, die man auf anderen Messen so kaum findet. Dachzelte, Kühlboxen, Lichtsysteme, Energielösungen, Schutzhüllen, Campingküche und Vieles mehr: nahezu jede Kategorie war mit mehreren Herstellern vertreten, die sichtbar unterschiedliche Ansätze verfolgen.
Bekannte Namen wie Roof Space, ARB, QOOL, Lazerlamps oder Vickywood standen neben Herstellern, die man vielleicht noch nicht auf dem Schirm hatte – und genau das ist einer der Werte der Abenteuer & Allrad. Man kommt mit einer Einkaufsliste und geht mit einer anderen raus. Oder mit einer deutlich längeren.
Wir haben an beiden Tagen gezielt Gespräche geführt und einige Produkte bereits im Test oder auf der engeren Beobachtungsliste.




Fahrzeuge ohne Grenzen: Vom 4×4-Campervan bis zum Weltreise-LKW
Die Fahrzeugvielfalt auf der AA2026 ist schlicht brutal. Das fängt beim kompakten 4×4-Campervan an, geht über Pickups mit Aufbaukabinen und Vollblut-Offroader durch alle Segmente und endet bei Expeditions-LKW in Dimensionen, die man sich am Schreibtisch kaum vorstellen kann. Großhersteller wie Hymer sind vertreten – aber das Gewicht liegt spürbar bei den Spezialisten. Genau das macht die AA aus: Wer hier sucht, findet keine Kompromissfahrzeuge, sondern Hersteller, die eine klare Haltung haben.
Neben den selbstfahrenden Fahrzeugen war auch die Anhänger-Fraktion stark besetzt. Kuckoo Camper zeigte ihre Modelle Max und Bruno – und hatte ein neues Konzept dabei, das aufhorchen lässt: volle Stehhöhe im Anhänger. Wer den Kuckoo kennt, weiß, dass das keine Selbstverständlichkeit ist. Ein konsequenter Schritt, den wir uns genauer ansehen werden. Miniatouring und Camppass komplettierten das Bild auf der Offroad-Wohnwagen-Seite.
Ausbauen lassen oder selbst ausbauen? Campany rundete das Angebot im Fahrzeugbereich ab. Das Gespräch mit einem der Gründer hat ein Thema aufgemacht, das wir gesondert aufarbeiten werden: ein Fahrzeugsegment, das Campany gerade besetzt, und das in der Szene bisher so nicht benannt wurde.




Vom Oman bis Alaska und zurück
Vier Tage lang lief neben der Ausstellung ein Programm, das den Begriff Rahmenprogramm eigentlich nicht verdient – denn es war für viele Besucher mindestens gleichwertig. Von früh bis spät gab es Vorträge, Workshops und Talks zu Reisezielen, Fahrzeugtechnik und Abenteuerplanung. Reiseberichte aus dem Oman, Saudi-Arabien, Kanada und Alaska – erzählt von Menschen, die dort wirklich waren. Keine Renderings, keine Werbefolien.
Dazu Musik, Kinderprogramm, Gewinnspiele und Aktionen, die die Messe für Familien genauso tauglich machen wie für Hardcore-Overlander. Der Sonntag ist traditionell Familientag – und das ist auf der AA kein Marketingbegriff, sondern spürbar.
Als Special Guest wurde Felix Neureuther am Sonntag auf die Bühne geholt. Der Ski-Weltcupsieger und Naturschutzbotschafter sprach über seine Leidenschaft für das Draußensein, über Familie, Abenteuer und seinen Blick auf die Zukunft des Outdoorlebens. Was man von Bühnen-Talks mit prominenten Gästen nicht immer erwartet, hat hier funktioniert: Neureuther war nahbar, klar und hat nichts verkauft.


Fazit: Pflichttermin mit Substanz
Die Abenteuer & Allrad 2026 hat bestätigt, was die Szene schon weiß: Diese Messe funktioniert, weil sie authentisch ist. Kein Eventcharakter um des Events willen, keine Inszenierung für Instagram-Kulissen. Wer kommt, kommt wegen der Produkte, der Gespräche und der Camp Area. Die Organisation war auf dem gewohnt hohen Niveau, die Ausstellerdichte war stark und die Stimmung – sowohl Samstag als auch Sonntag – besser als auf vergleichbaren Veranstaltungen dieser Größe.
Wer 2027 dabei sein will: Termin vormerken, früh anreisen, Camp Area einplanen.































