Saas-Fee/Saastal: Fünf Hütten, achtzehn Viertausender

In Saas-Fee/Saastal, inmitten der höchsten Gipfel der Schweiz, hat man das Hüttenwandern zur Kunstform erhoben. Die Saaser Hüttentour (Hüttenwanderung Saas-Fee) verbindet fünf Berghütten auf 65 Kilometern und 5.227 Höhenmetern. Eine Reise durch die Gletscherwelt und Steilwände, die auch in Etappen funktioniert – und die das Wort »alpin« neu definiert.
Der Dom wirft seinen Schatten über das Tal. 4.545 Meter hoch, der höchste Berg, der vollständig auf Schweizer Boden steht, und er steht da, als wäre es nichts. Links das Täschhorn, rechts der Alphubel, dahinter in einer langen Kette das Allalinhorn, das Rimpfischhorn, das Strahlhorn. Achtzehn Viertausender umrahmen das Saastal wie eine Fassung ihren Edelstein.

Ein Dorf ohne Motoren


Die Saaser Hüttentour
(Hüttenwanderung Saas-Fee)


Die Almagellerhütte: Alpenfeeling pur
Ein besonders lohnendes Ziel ist die Almagellerhütte auf 2.894 Metern an der Südseite des Weissmies. Sie ist Ausgangspunkt für Hochgebirgs-, Kletter- und Wandertouren – und zugleich ein Ort, der Tagesgäste mit offenen Armen empfängt. Der Zustieg führt über den Almageller Höhenweg, einen der schönsten Panoramawege der Region. Der Pfad schlängelt sich am Hang entlang, mit Blick auf den Mattmark-Stausee, dessen Wasser je nach Tageszeit zwischen Türkis und Dunkelblau changiert. Die Mischabelkette steht als Kulisse im Westen, schneebedeckt auch im Hochsommer.
Karge Felsen, wilde Bäche, die über Gestein stürzen, und ein weiter Blick über die Saaser Gipfel, der sich im Abendlicht ständig verändert. Die Luft auf dieser Höhe ist klar und kühl, selbst im August. Am Abend, wenn die Tagestouristen abgestiegen sind und die Hüttengäste sich auf der Terrasse versammeln, liegt Stille über dem Tal. Das Licht wird weich, die Schatten lang. Die Hütte serviert ein einfaches, gutes Nachtessen – Suppe, Hauptgang, Dessert –, und danach sitzt man noch eine Weile draußen, bis die Kälte einen ins Lager treibt und man unter einer schweren Wolldecke liegt, während draußen die Sterne über den Viertausendern stehen.

Ferienhäuser mit Gletscherblick

Klettersteige, Gletscher, Gipfel
Sieben Klettersteige hat das Saastal, darunter den Klettersteig Britannia auf 3.130 Metern – einer der höchstgelegenen der Schweiz. Die Gorge Alpine, eine Klettertour durch die Feeschlucht, zeigt das Tal von innen: enge Schluchten, Hängebrücken, Leitern, moosbedeckte Felswände. Geführte Gletschertouren über den Feegletscher erklären Spalten und Moränen. Und wer einen Viertausender besteigen will, fährt mit der Metro Alpin – der weltweit höchsten Standseilbahn – auf 3.456 Meter zum Mittelallalin und wandert die letzten 500 Höhenmeter zum Allalinhorn, mit Bergführer, wegen der Spalten.
Am Abend, zurück in Saas-Fee, sitzt man auf der Terrasse eines Restaurants und bestellt Raclette. Der Käse wirft Blasen, das Brot ist knusprig, der Duft würzig. Gegenüber, hinter den Dächern des Dorfes, steht der Dom, weiß und riesig, wie ein Wächter, der nie schläft. Man sieht den Feegletscher, der im letzten Licht des Tages glänzt, und hört, wenn man genau hinhört, das leise Rauschen der Feevispa, des Bachs, der aus dem Gletschertor kommt und sich durch eine tiefe Schlucht ins Tal stürzt.

Schaut, diese Berge!
Die Sterne kommen langsam, einer nach dem anderen, und irgendwann ist der Himmel so voll davon, dass man verstummt. Die Lichtverschmutzung ist in Saas-Fee minimal – keine Straßenlaternen, keine Autoscheinwerfer, keine Leuchtreklamen. Nur das Licht der Restaurants und Hotels, das warm durch die Fenster fällt. Und darüber die Milchstraße, so deutlich wie ein Pinselstrich auf schwarzem Samt.
Man kann eine Woche bleiben oder einen Sommer. Man kann die ganze Hüttentour gehen oder nur zur Britanniahütte aufsteigen und auf der Terrasse einen Kaffee trinken. Was zählt, ist nicht, wie weit man geht, sondern dass man geht. Und dass man, irgendwann, stehenbleibt und einfach schaut.

Saas-Fee
Die Berge um Saas-Fee/Saastal
sind nicht nur
alpinistisch großartig,
sondern auch in Bezug auf ihre Gesteinsvielfalt.

Text: Tom Jutzler
Fotos: Lorenz Richard, Puzzle Media,
Filme von Draussen, Jan Geerk (Saas-Fee/Saastal)


