Via Silenzi – Schneeschuhwandern in Graubünden
Fotos:
© Colin Frei, Thalia Wünsche (Graubünden Ferien)
Schneeschuhwandern zwischen Engadin und Val Müstair: Wenn im Winter vielerorts die Weitwandersaison Pause macht, beginnt hier erst der besondere Teil: Die Via Silenzi ist eine mehrtägige Schneeschuhtour, die nicht auf Spektakel setzt, sondern auf Abstand, Rhythmus und eine Landschaft, die im Tiefschnee plötzlich riesig wirkt. Statt markierter Sommerwege stehen im Vordergrund: klare Orientierung, saubere Spuranlage und die Erfahrung, wie still ein Tal sein kann, wenn der Schnee jedes Geräusch schluckt.
Ankommen in der Abgeschiedenheit: S-charl als Auftakt
Der Einstieg fühlt sich schon wie ein Cut zum Alltag an. Im Sommer ist S-charl von Scuol-Tarasp aus mit dem Postauto erreichbar, im Winter ist die Straße gesperrt – dann geht es nur noch zu Fuß oder per Pferdeschlitten weiter.
Im Ort selbst wird schnell klar, worum es auf dieser Tour geht: wenig Ablenkung, viel Raum. S-charl zählt nur wenige Häuser, dazu zwei Gaststätten und eine Kirche – und in den Wintermonaten ist es dort entsprechend still.
Etappe 1: Von unberührtem Weiß nach Lü
Los geht’s am Plan d’Immez, etwa eine Stunde hinter S-charl. Hier wartet kein sichtbarer Pfad, sondern eine Fläche aus Schnee, Arveninseln und Bachläufen – und genau das macht den Reiz aus.
Schritt für Schritt wird aus dem „Wo genau lang?“ ein gleichmäßiger Takt. Spuren liefern vor allem Wildtiere; menschliche Zeichen sind selten. Erst kurz vor Lü in der Val Müstair wird die Zivilisation wieder greifbarer.
Unterwegs-Erlebnis:
Wer hinten in der Gruppe geht, profitiert doppelt: Die Spur ist gelegt – und der Blick bleibt frei für das, was Winterlandschaften so besonders macht: Textur, Licht, Geräuschkulisse.
Etappe 2: Höhenmeter, Passmoment und ein entspanntes Finale
Die zweite Tagesetappe startet direkt in Lü – mit einer sportlichen Note: Rund 600 Höhenmeter stehen an.
Was im Sommer nach „genussvoller Wanderung“ klingt, wird im Tiefschnee schnell zur konzentrierten Tagestour. Dafür belohnt die Route mit einem weiten Kesselblick und einem markanten Hochpunkt: der Fuorcla Funtana da S-charl.
Nach dem höchsten Punkt führt die Linie in Richtung Skigebiet Minschuns und schließlich hinüber zum Ofenpass, wo die Via Silenzi endet.
Statt hektisch abzureisen, lässt sich das Tourgefühl gut verlängern – zum Beispiel mit einer zusätzlichen Nacht am Pass.
So verläuft die Via Silenzi in zwei Tagen
- Tag 1: S-charl – Pass da Costainas – Lü
- Tag 2: Lü – Alp Champatsch – Alp da Munt – Ofenpass
- Praktisch: Gepäcktransport zwischen den Etappenorten ist möglich – du wanderst also mit leichtem Tagesrucksack.
Was diese Tour besonders macht
- Winter-Weitwandern ohne Hüttentrubel: viel Strecke, wenig Lärm, viel Landschaft.
- Sicherheit und Know-how: Mit Guide lässt sich die Tour deutlich entspannter erleben – inklusive laufender Einschätzung der Schneesituation und sinnvoller Gruppenführung in heikleren Passagen.
- Ein echter Stimmungswechsel: Abgeschiedenheit nicht als Entbehrung, sondern als Luxus.
Hinweis: Wetter, Sicht und Schneeverhältnisse entscheiden im Winter über die Machbarkeit. Plane konservativ, informiere dich vorab über lokale Bedingungen und wähle Route und Tempo so, dass ausreichend Reserven bleiben.