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Camping deluxe: Luxemburg zwischen Wald, Wasser und Stadt

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Camping deluxe im Großherzogtum Luxemburg. Wir ziehen mit einem kleinen Wohnanhänger durchs Land. Mal stehen wir in den Ardennen im Wind. Mal in der Hauptstadt vor Glas und Grün. Und dazwischen: Seen, Felsen, Graffiti, Feuerstellen. Luxemburg wirkt auf der Karte wie ein Zwischenraum. In der Realität ist es ein ständiger Wechsel. 

Er steht schon da. Rot. Weiß. Rund. Ein bisschen wie aus einer anderen Zeit. Innen: Holzoptik, Stoffe, abgerundete Kanten. Außen: diese Form, die sofort nach Reise aussieht. Wir hängen an. Ein kurzer Ruck. Dann rollt unser kleines Zuhause los. Das ist der Deal mit einem Wohnanhänger. Man nimmt den Komfort mit. Und verliert das Draußen nicht. Im Gegenteil. Die Straße zieht nach Norden. Die Landschaft wird stiller. Das Land wirkt weiter, als es ist. Und irgendwo zwischen Kurven und Wolken merkt man: Das hier wird kein Trip von A nach B. Das wird ein Sammeln.

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Hoch oben im Norden: Wind, Weite, wenig Ablenkung

Der Norden Luxemburgs ist rauer, als viele erwarten. Hochebenen. Wälder. Dörfer, die sich an Täler schmiegen. Auf manchen Strecken fühlt es sich an, als würde man durch ein Modell fahren. Nur dass der Wind echt ist. Hier oben ist Landwirtschaft keine Selbstverständlichkeit. Der Boden ist nicht immer freundlich. Das Wetter auch nicht. Und gerade deshalb wirken die Projekte, die man hier trifft, so entschieden. Man redet weniger über Romantik. Mehr über Lösungen. Über das, was funktioniert. Und das ist oft überraschend modern.
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Der Duft im alten Stall

Eine Tür. Ein Schritt hinein. Und dann ist er da: ein Geruch, warm und dicht. Süßlich. Würzig. Fast schwer. Wir stehen in einem umgebauten Stall. Früher Tiere. Heute Geräte. Edelstahl. Schläuche. Container. Es sieht nach Labor aus, nur dass die Wände noch vom früheren Leben erzählen. Der Mann, der uns herumführt, spricht ruhig. Er zeigt, was sie hier aus Ölsaaten machen. Und was aus Hanf wird, wenn man ihn nicht als Klischee behandelt, sondern als Kulturpflanze. Man hört zu und merkt: Auf dem Land entstehen manchmal die mutigsten Ideen. Weil man sie braucht.
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Ein Pfad als Kostprobe

Später halten wir an einem Ort, an dem ein langer Wanderweg beginnt. Kein großes Tor. Kein Spektakel. Nur ein Einstieg in den Wald. Wir gehen los. Nur ein Stück. Als Appetitmacher. Der Pfad ist schmal. Steine. Wurzeln. Lichtflecken auf dunklem Grün. Ab und zu knacken Äste. Dann wieder nur dieses weiche Geräusch von Schuhen auf Erde. Es sind diese Momente, in denen man merkt, wie schnell man umschalten kann. Vor einer Stunde noch Technik und Erntepläne. Jetzt Moos und Fels. Luxemburg kann das. Es wechselt das Thema, ohne laut zu werden.
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Obersauer: Wasser, Grillrauch, viele Sprachen

Der See liegt plötzlich vor uns. Ruhig. Breit. Ein Spiegel, der nicht geschniegelt wirkt, sondern natürlich. An manchen Ufern ist Schutzgebiet. An anderen beginnt Freizeit. Menschen breiten Decken aus. Kinder rennen. Es riecht nach Sonne auf Gras. Und nach Grill. Wir gehen aufs Wasser. Paddeln los. Kleine Wellen. Klare Sicht. Die Ufer ziehen langsam vorbei. Am Ufer mischen sich Stimmen. Französisch. Luxemburgisch. Deutsch. Portugiesisch. Man hört es, bevor man darüber nachdenkt. Und irgendwann sitzt man neben Leuten, die einem erklären, welche Küche hier längst dazugehört, obwohl sie von anderswo kommt. Luxemburg ist klein. Aber es trägt viel in sich.
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Camping, aber mit richtig gutem Essen

Am Abend rollen wir auf einen Platz am Fluss. Alles wirkt geordnet. Und trotzdem nicht geschniegelt. Mehr wie: Hier weiß man, wie es geht. Der Anhänger steht. Strom dran. Tür auf. Und plötzlich ist da dieses Gefühl von „angekommen“, obwohl man erst seit ein paar Tagen unterwegs ist. Später sitzen wir im Restaurant nebenan. Holzfeuer. Regionale Produkte. Keine Show. Nur gutes Handwerk. Draußen wird es dunkel. Drinnen wird es warm. Und irgendwo dazwischen passiert genau das, was diesen Reisetyp ausmacht: Man ist geschützt. Aber nicht abgetrennt. Wer einmal so gegessen hat, versteht, warum Camping für manche keine Notlösung ist, sondern eine Haltung.
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Flussfahrt mit Eisvogel

Am nächsten Tag geht es aufs Wasser, diesmal im Boot. Ein Verleih. Ein kurzes Briefing. Dann gleitet das Kajak in die Sauer. Der Fluss ist schmaler, als man ihn sich vorstellt. Er hat Kurven. Schatten. Stellen, an denen das Ufer wie ein Vorhang aus Grün wirkt. Und dann: ein blauer Blitz. Ein Vogel, der vor uns herfliegt, als würde er uns testen. Wir werden langsamer. Er fliegt weiter. Immer ein Stück voraus. Ein kleines, nervöses Leuchten. Später steigen wir aus und gehen noch in die Felsen. Luxemburg hat hier Schluchten, Spalten, kleine Höhlen. Es wirkt fast urwaldig, obwohl man mitten in Europa ist. Und man muss nicht weit fahren, um das Gefühl zu haben, sehr weit weg zu sein. Zurück? Geht unkompliziert. Man steigt in Bus oder Bahn und fährt einfach.
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Kahler: Wenn ein Dorf zur Galerie wird

Im Westen, nahe der Grenze, kommt ein Ort, der aussieht, als hätte jemand ihn neu gestrichen. Nur dass es nicht „neu“ ist. Es ist Kunst. Groß. Laut. Direkt auf den Wänden. Ein Tierorchester auf einer Fassade. Ein Fisch. Eine Schnecke, die viel zu schnell wirkt. Häuser werden zu Leinwänden. Und plötzlich geht man anders durch die Straße. Man schaut hoch. Man sucht Details. Man bleibt stehen. Wir klingeln bei einem der Menschen, die hier wohnen. Kurz darauf steht jemand in der Tür, freundlich, überrascht. Es ist dieses Dorfmoment-Ding: Man ist fremd und wird trotzdem nicht weggeschoben. Ein paar Minuten später reden wir über die Idee hinter dem Ganzen. Über Überzeugungsarbeit. Über Nachbarn. Über Mut zur Wand. Und über das, was passiert, wenn ein Projekt nicht in der Stadt startet, sondern genau hier.
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Rotes Gestein, schnelle Reifen

Weiter in den Süden. Die Erde verändert ihre Farbe. Auf einmal ist da dieses Rot. Es leuchtet im späten Licht. Wir stehen an einem ehemaligen Tagebau. Früher Industrie. Heute Spielplatz für Mountainbikes. Natur holt sich Flächen zurück, aber die Formen bleiben. Kanten. Terrassen. Kurven. Eine Landschaft wie aus einem Filmset, nur ohne Kulissen. Ein Guide zeigt, wo die Strecken verlaufen. Er spricht mit Stolz. Nicht geschniegelt. Eher wie jemand, der etwas aufgebaut hat, das andere glücklich macht. Dann fahren die ersten Biker vorbei. Reifen auf Schotter. Ein kurzer Staubfaden. Und für einen Moment wirkt Luxemburg wie ein Miniatur-Grand-Canyon. Nicht als Kopie. Als eigene Version.
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Die Hauptstadt: Grün, Grund, Glanz

Luxemburg-Stadt ist keine Hauptstadt, die einen erschlägt. Sie überrascht anders. Mit Gärten. Mit Kanten. Mit einem Tal mitten im Zentrum. Wir lassen den Anhänger auf dem stadtnahen Campingplatz. Dann geht es rein in die Stadt. Ohne großes Planen. Einfach einsteigen. Weiterfahren. Ankommen. Ein Radler nimmt uns mit auf eine Runde. Zügig. Sehr zügig. Es geht durch Gassen, die plötzlich französisch wirken. Dann wieder an Obstbäumen vorbei, mitten in der Stadt. Und dann kippt die Perspektive: Von oben runter in den „Grund“, dieses tiefere Viertel am Wasser. Jugendliche auf Boards. Touristengruppen. Und immer wieder dieser Blick zurück nach oben, auf Felsen, Mauern, Brücken. Später geht es wieder hoch. Fast mühelos. Ein Aufzug an der Felswand. Und oben ein Café, das so tut, als wäre es zufällig hip. Es ist nicht zufällig. Espresso. Kurzes Durchatmen. Dann zurück zum Platz. Der Anhänger wartet. Wie ein ruhiger Punkt nach einem schnellen Tag.
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Abend auf dem Hof: Essen, das direkt vom Feld kommt

Zum Schluss wollen wir wieder raus. Nicht weit. Aber weg von Stein und Glas. Ein Hof. Solidarische Landwirtschaft. Viele Kulturen. Kräuter. Gemüse. Beeren. Blumen. Die Menschen hier sprechen über Erde wie andere über Architektur. Wir gehen mit auf das Feld. Pflücken Salat. Tomaten. Zwiebeln. Es ist simpel. Und genau deshalb so befriedigend. Man sieht, was auf den Teller kommt, bevor es überhaupt Küche heißt. Gekocht wird draußen. Feuer. Eine improvisierte Konstruktion aus Metall. Ein Topf, in dem eine Soße langsam zieht. Der Geruch hängt in der Luft und mischt sich mit Abendlicht. Später sitzen wir vor dem Anhänger. Blick über die Felder. Irgendwer kommt dazu, bringt Wein. Man redet. Man isst. Die Tiere auf der Weide wirken unbeeindruckt. Und plötzlich ist klar, was diese Reise eigentlich war: kein „Must-see“-Abhaken. Sondern ein Wechsel zwischen Welten, der leicht bleibt. Drinnen Schutz. Draußen Leben.
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Nützliches Wissen


  • Kostenlos unterwegs:

    Im Land kommt man mit Bus und Bahn sehr entspannt voran – ohne Tickets! – auch als Ergänzung zum Roadtrip. (Weitere Infos findest du hier.)

  • Mehr als „klein“:

    Wer nur einen Durchgangsstaat erwartet, verpasst Wälder, Seen, Schluchten, rote Industrienatur und eine Hauptstadt, die überraschend grün ist.

    Viele nützliche Infos findest du auf: visitluxembourg.com

  • Sprachenmix:

    Luxemburg ist mehrsprachig. Das hört man überall. Und genau das macht viele Begegnungen so spannend. Mit Deutsch und Englisch (besser noch Französisch) ist der Austausch unkompliziert.



Text: Tom Jutzler
Fotos: André Schösser, Tom Jutzler