Private Stellplätze buchen: 5 Plattformen im Vergleich
Wer 2026 private Stellplätze buchen will, hat die Qual der Wahl: Allein im DACH-Raum konkurrieren mehrere ernstzunehmende Plattformen um dieselben Wiesen, Weingüter und Höfe – mit grundverschiedenen Geschäftsmodellen. Ob du pro Nacht zahlst, eine Jahresmitgliedschaft abschließt oder einen Rabatt-Pass kaufst, entscheidet am Ende darüber, ob dich eine Übernachtung 0 oder 35 Euro kostet. Wir haben Nomady, AlpacaCamping, Landvergnügen, Campspace und VanSite gegenübergestellt – und sagen dir klar, welche Plattform zu welchem Campingstil passt.
Zwei Geschäftsmodelle, ein Versprechen
Alle fünf Anbieter versprechen dasselbe: legal und naturnah stehen, dort, wo kein klassischer Campingplatz ist. Das Versprechen halten sie auf unterschiedlichen Wegen.
Pay-per-Night (Nomady, AlpacaCamping, Campspace): Du zahlst pro Nacht, meist zwischen 10 und 35 Euro. Kein Abo, keine Bindung, dafür summieren sich die Kosten bei Vielfahrern schnell.
Mitgliedschaft und Pass (Landvergnügen, VanSite): Du zahlst einmal im Jahr, die Übernachtung selbst ist kostenlos oder rabattiert. Das rechnet sich ab einer bestimmten Anzahl an Nächten – darunter zahlst du drauf.
Diese Unterscheidung ist wichtiger als jede App-Funktion. Wer zweimal im Jahr ein Wochenende rausfährt, braucht keinen 249-Euro-Pass. Wer den halben Sommer im Camper lebt, verbrennt bei Pay-per-Night bares Geld.
Nomady: Kuratierung statt Masse im Alpenraum
Nomady kommt aus der Schweiz, ist seit 2019 am Markt und hat Anfang 2024 mit dem süddeutschen Pendant MyCabin fusioniert. Das Ergebnis: über 1.800 Spots in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Italien. Damit ist Nomady nicht die größte Plattform im Vergleich – aber die mit dem klarsten Profil.
Der Alpenraum ist Nomadys Heimspiel. Wer im Wallis, im Tessin, im Allgäu oder in Südtirol einen privaten Stellplatz sucht, findet hier eine Dichte, die keine andere Plattform bietet. Dazu kommt ein Kuratierungsanspruch, den man dem Angebot anmerkt: kleine Camps mit wenigen Plätzen, oft in Alleinlage, häufig mit einfacher Infrastruktur wie Feuerstelle, Wasserzugang oder Trockentoilette. Neben klassischen Stellplätzen für Camper, Van und Wohnmobil listet Nomady auch Hütten, Tipis und Jurten – die Plattform denkt Naturcamping breiter als reine Stellplatzvermittlung.
Unsere Einschätzung: Wer Richtung Alpen fährt, kommt an Nomady nicht vorbei. Die Kehrseite: In Norddeutschland ist das Netz dünn, und das Schweizer Preisniveau schlägt bei manchen Camps spürbar durch. Wer primär zwischen Nordsee und Mittelgebirge unterwegs ist, fährt mit anderen Plattformen besser.
AlpacaCamping: Das größte Angebot, sofort buchbar
AlpacaCamping ist der Platzhirsch in Deutschland: über 4.000 Stellplätze bei Landwirten, Winzern, Vereinen und Privatleuten, gegründet 2021 in Franken. Zwei Dinge machen die Plattform stark. Erstens die Sofortbuchung ohne Mindestaufenthalt – du buchst noch am Anreisetag, ohne auf eine Gastgeber-Bestätigung zu warten. Für spontane Trips ist das der entscheidende Vorteil gegenüber Anfrage-Systemen. Zweitens die Routensuche: Die App schlägt dir Stellplätze entlang deiner geplanten Strecke vor, gefiltert nach Fahrzeugtyp und Entfernung zur Route.
Der Preis pro Nacht wird vom Gastgeber festgelegt, die Servicegebühr ist bereits eingerechnet – es gibt also keine böse Überraschung im Checkout. Interessant wird es beim AlpacaClub: Die Jahresmitgliedschaft (regulär 49 Euro, aktuell auf 24,90 Euro reduziert – Stand: Juli 2026) bringt 10 Prozent Rabatt auf alle Stellplatzbuchungen, 20 Prozent auf Bücher und Bekleidung aus dem eigenen Shop, Partner-Rabattcodes, die PremiumAPP sowie neue Stellplätze vorab exklusiv per WhatsApp. Damit fährt AlpacaCamping faktisch ein Hybridmodell aus Pay-per-Night und Rabatt-Pass – konzeptionell angelehnt an den VanSite 25Pass. Die Rechnung ist simpel: Beim reduzierten Clubbeitrag amortisiert sich die Mitgliedschaft je nach Platzpreis ab etwa acht bis zehn Übernachtungen allein über den Stellplatzrabatt.
Unsere Einschätzung: Das größte Netz, die beste Spontanität – aber Masse ist nicht automatisch Klasse. Die Qualitätsspanne zwischen den Plätzen ist groß, vom liebevoll angelegten Weinberg-Spot bis zur schlichten Wiese am Feldrand. Wer bucht, sollte Fotos und Bewertungen genau lesen. Für Deutschland-Touren ist AlpacaCamping trotzdem die erste Adresse – und wer öfter als eine Handvoll Nächte im Jahr bucht, sollte den Club mitnehmen.


Landvergnügen: Kostenlos übernachten, mit System
Landvergnügen funktioniert anders als alle anderen im Vergleich – und ist gerade deshalb für viele die beste Wahl. Statt pro Nacht zu zahlen, kaufst du eine digitale Jahresmitgliedschaft für 69,90 Euro (Stand: Juli 2026) und übernachtest dann kostenlos: bei über 2.100 ländlichen Gastgebern mit mehr als 5.000 Stellplätzen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Bauernhöfe, Weingüter, Käsereien, Manufakturen – das Konzept lebt vom Einkauf im Hofladen, der nicht verpflichtend, aber ausdrücklich erwünscht ist.
Die Rechnung ist simpel: Ab etwa vier bis fünf Übernachtungen im Jahr hat sich die Mitgliedschaft amortisiert. Alles darüber ist geschenkt. 2026 hat Landvergnügen zudem das größte App-Update seiner Geschichte ausgerollt – bei mehr als der Hälfte der Höfe kannst du inzwischen digital bis zu sieben Tage im Voraus reservieren, statt wie früher zwingend anzurufen.
Unsere Einschätzung: Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis im Vergleich – mit zwei klaren Bedingungen. Erstens: Dein Fahrzeug muss autark sein, Sanitärinfrastruktur gibt es nur auf einem Teil der Höfe. Zweitens: Nach 24 Stunden ist Schluss, Landvergnügen ist ein Konzept für Durchreisende, nicht für Standurlauber. Wer damit leben kann, bekommt Zugang zu Orten, die keine andere Plattform im Programm hat.


Campspace: Mikrocamping mit europäischer Reichweite
Campspace wurde 2016 in den Niederlanden gegründet und hat sich 2024 mit dem französischen Pendant HomeCamper zusammengeschlossen. Damit ist die Plattform der internationalste Anbieter im Vergleich: Angebote in über 30 Ländern, mit Schwerpunkt auf den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Spanien und Deutschland. Wer eine Tour Richtung Atlantikküste, Provence oder Pyrenäen plant, findet hier private Stellplätze, wo die deutschen Spezialisten längst aufhören.
Inhaltlich steht Campspace für Mikrocamping: kleine Plätze bei Privatleuten und Familien, vom Garten über die Obstwiese bis zur Waldlichtung, ergänzt um Bauwagen, Baumhäuser und Glamping-Unterkünfte. Bemerkenswert sind die Nachhaltigkeitsfilter – du kannst gezielt nach Kriterien wie Ökostrom oder Mülltrennung suchen. Das ist mehr als Marketing-Deko und im Plattformvergleich ein Alleinstellungsmerkmal.
Unsere Einschätzung: Für Europa-Roadtrips die stärkste Karte im Vergleich. Im DACH-Raum ist die Dichte allerdings spürbar geringer als bei AlpacaCamping oder Nomady, und nicht jeder Platz ist sofort buchbar – teils läuft es über Buchungsanfragen, was Spontanität kostet. Als Zweit-App für Auslandstouren: klare Empfehlung.


VanSite: Das Pass-Modell für Vielcamper
VanSite listet rund 1.500 Gastgeber mit naturnahen Stellplätzen in Deutschland und Europa und fährt als einzige Plattform ein gestaffeltes Pass-Modell. Der 25Pass kostet einmalig 29,95 Euro für zwölf Monate und bringt 25 Prozent Rabatt auf jede Buchung – ein niedrigschwelliger Einstieg, der sich schnell rechnet. Darüber liegt der Jahrespass für 249 Euro, mit dem du bei über 1.000 Gastgebern kostenfrei buchst. Bei den verbleibenden 350 Hosts erhält man 50 % Rabatt.
Praktisch gelöst hat VanSite die Sprachbarriere: Ein Übersetzungs-Chat in der App übersetzt die Kommunikation mit Gastgebern im Ausland automatisch in beide Richtungen. Für Buchungen in Frankreich, Italien oder Skandinavien ist das ein echter Mehrwert.
Unsere Einschätzung: Das Pass-Modell ist konsequent auf Vielcamper zugeschnitten – und genau da liegt die Hürde. Wer den Jahrespass voll ausnutzt, zahlt umgerechnet unter einem Euro pro Nacht. Dazu kommen Nutzungsregeln wie die Begrenzung auf drei Nächte pro Buchung, die du vor dem Kauf kennen solltest. Für Gelegenheitscamper ist der 25Pass die sinnvolle Stufe; alles darüber will genau durchgerechnet sein.


Private Stellplätze buchen: Die Vergleichstabelle
| Angebot | Schwerpunkt | Preismodell | Buchung | Für wen? | |
|---|---|---|---|---|---|
| Nomady | 1.800+ Camps | DE, CH, AT, IT (Alpenraum) | Pay-per-Night | Online, App | Alpen-Fans, Qualitätssucher |
| AlpacaCamping | 4.000+ Stellplätze | Deutschland | Pay-per-Night, opt. AlpacaClub | Sofortbuchung, App | Spontane, Deutschland-Touren |
| Landvergnügen | 2.100+ Gastgeber, | DE, AT, CH | 69,90 €/Jahr, Übernachtung kostenlos | App, tlw. Reservierung | Autarke Durchreisende |
| Campspace | Angebote in 30+ Ländern | West- & Südeuropa | Pay-per-Night | Online, App, tlw. Anfrage | Europa-Roadtripper |
| VanSite | 1.500+ Gastgeber | DE, Europa | Pass-Modell (25–249 €/Jahr) | Online, App | Vielcamper, Fulltime-Vanlifer |
Fazit: Welche Plattform für wen?
Eine Plattform für alle gibt es nicht – und wer dir das Gegenteil verkauft, will dir ein Abo verkaufen. Unsere klare Einordnung:
- Du fährst spontan und vor allem in Deutschland? AlpacaCamping. Größtes Netz, Sofortbuchung, fertig.
- Du willst in die Alpen und legst Wert auf besondere Plätze? Nomady. Beste Kuratierung, stärkste Dichte im Alpenraum.
- Du bist autark unterwegs und ständig auf Achse? Landvergnügen. Ab der fünften Nacht campst du faktisch gratis.
- Deine Touren führen nach Frankreich, Spanien oder Benelux? Campspace. Keine andere Plattform reicht so weit über den DACH-Raum hinaus.
- Du verbringst 30+ Nächte im Jahr auf privaten Stellplätzen? Dann – und nur dann – rechne den VanSite-Jahrespass durch.
In der Praxis fährt es sich am besten mit zwei Apps auf dem Homescreen: einem Pay-per-Night-Anbieter für die Flexibilität und Landvergnügen für die Strecke. Was alle fünf Plattformen gemeinsam haben: Sie sind die einzige legale Antwort auf ein Bedürfnis, das Wildcamping-Verbote in Deutschland nun einmal nicht erfüllen. Wie das in Skandinavien mit dem Jedermannsrecht gelöst ist, liest du in unserem Ratgeber.


