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8 Minuten Lesedauer

Pulsar und Pulsar Therm: Was die Radflaschen von SIGG können

SIGG kennt man für Flaschen aus Aluminium, gepresst aus einem Stück in Frauenfeld. Für Radfahrerinnen und Radfahrer hat die Schweizer Marke etwas anderes entwickelt: die Pulsar, eine weiche Flasche aus Polypropylen, die sich während der Fahrt mit einer Hand drücken lässt und auch bei offenem Verschluss dicht bleibt. Dazu kommt eine isolierte Version für heiße Tage. Wie aus einer Aluminiumwarenfabrik eine Flaschenmarke wurde und warum sie am Rad auf Kunststoff setzt.

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Wie alles begann

Ferdinand Sigg war Metalldrücker. Das Handwerk hatte er in Göppingen gelernt, in der Spielwarenfabrik der Gebrüder Märklin, danach bildete er sich in den USA weiter. 1908 gründete er mit Xaver Küng in Biel eine Fabrik für Aluminiumwaren. Das Metall galt damals als Werkstoff der Zukunft: Es war leicht, rostete nicht und ließ sich gut formen. 1917 zog die Firma nach Frauenfeld in den Thurgau, wo sie bis heute ihren Sitz hat. Sie stellte Kochgeschirr her, Feldflaschen für das Militär, Spielzeug und Elektrogeräte. 1930 arbeiteten dort mehr als 700 Menschen.

Die Trinkflasche kam erst später, und eher nebenbei. Ende der Fünfzigerjahre, als das Sortiment mehr als 10.000 Artikel umfasste, entstand die erste aus Aluminium, das bei der Produktion übrig blieb. Aus einer Wärmflasche von 1961 entwickelte sich die Form der Traveller, die in den Achtzigerjahren mit neuen Verschlüssen und Farben zum Klassiker wurde. 1993 nahm das Museum of Modern Art in New York drei SIGG-Flaschen in seine Sammlung auf.

In Frauenfeld entstehen bis heute jeden Tag rund 10.000 Flaschen, jede aus einem einzigen Stück recyceltem Aluminium gepresst; 2024 hat SIGG dort in eine neue Produktionsanlage investiert. Das Sortiment ist inzwischen breiter. Für Thermoflaschen verwendet SIGG Edelstahl, für leichte Flaschen, vor allem für Kinder, die Kunststoffe Tritan und Polypropylen. Kunststoff ist bei SIGG also nicht neu. 2022 aber brachte die Firma eine Flasche heraus, die sie gezielt für das Rad entwickelt hatte.

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Warum am Rad Kunststoff hängt

Im Radsport war Aluminium zuerst da. Nach dem Ersten Weltkrieg tranken die Fahrer aus Aluminiumflaschen, die mit einem Korken verschlossen waren und paarweise in Haltern am Lenker steckten. 1939 setzte der Franzose René Vietto eine Flasche ans Unterrohr, was den Schwerpunkt seines Rads senkte. In der zweiten Hälfte der Fünfzigerjahre fuhren alle Profis so, und sie tranken aus weichen Flaschen aus Kunststoff. Die waren billig, leicht zu reinigen und einfach zu bedienen. An diesem Prinzip hat sich bis heute wenig geändert.

Eine Aluminiumflasche lässt sich nicht zusammendrücken, und einen Schraubdeckel öffnet man während der Fahrt kaum. Wer auf dem Rad trinkt, hat eine Hand am Lenker und den Blick auf der Straße. Die Flasche muss sich blind aus dem Halter ziehen, mit dem Mund öffnen und mit leichtem Druck leeren lassen. Dazu kommt das Gewicht: Eine Traveller aus Aluminium mit 0,6 Litern wiegt 106 Gramm, die Pulsar mit 0,75 Litern 97.

SIGG hat sich für Polypropylen entschieden, kurz PP. Der Kunststoff ist leichter als Wasser, geruchlos und eignet sich für den Kontakt mit Lebensmitteln. Bisphenol A, das Plastikflaschen seit dem Ende der Nullerjahre in Verruf gebracht hat, ist ein Ausgangsstoff für Polycarbonat und Epoxidharze; Polypropylen enthält es nicht. SIGG gibt die Pulsar außerdem als frei von Phthalaten an, einer Gruppe von Weichmachern.

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Pulsar: die Flasche fürs Rad

Die Pulsar kam 2022 zusammen mit der isolierten Pulsar Therm auf den Markt. Entwickelt hat SIGG beide nach eigenen Angaben mit Annika und Lara Liehner, zwei Fahrerinnen der Schweizer Nationalmannschaft. Annika Liehner fuhr im Februar 2026 bei der Bahn-Europameisterschaft in Konya im Schweizer Vierer, der den Landesrekord in der Mannschaftsverfolgung zweimal verbesserte.

„Wichtig ist mir vor allem, dass die Flasche in jeder Situation sicher und komfortabel zu bedienen ist.“

Annika Liehner zum Marktstart der Pulsar, 2022

Die Flasche hat 73 Millimeter Durchmesser und passt laut SIGG in viele Flaschenhalter. Mit 0,75 Litern ist sie 23,6 Zentimeter hoch und wiegt nach Herstellerangabe 97 Gramm. Der Körper ist so weich, dass ein leichter Druck genügt. Geöffnet und geschlossen wird das Mundstück mit dem Mund. Ein Ventil darin, das SIGG SureSnap nennt, hält die Flasche dicht, auch wenn der Verschluss offen ist. Im Test des Schweizer Outdoorblogs „Ich liebe Berge“ lief selbst kopfüber nichts heraus.

Die Öffnung ist groß genug für Eiswürfel und Pulver; SIGG empfiehlt die Pulsar ausdrücklich zum Anmischen isotonischer Getränke. Inzwischen gibt es sie in mindestens zehn Farben, einige davon durchscheinend, sodass man den Füllstand sieht, und in einer zweiten Größe mit 0,6 Litern. Diese hat zusätzlich eine Kappe, die das Mundstück vor Staub und Dreck schützt, ein Vorteil auf Schotter und im Wald. Im deutschen Onlineshop von SIGG kostet die Pulsar 14,95 Euro.

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Pulsar Therm: kalt für viereinhalb Stunden

Die Pulsar Therm hat eine doppelte Wand, die isoliert. Laut SIGG bleibt ein kaltes Getränk darin viereinhalb Stunden kalt; im Winter soll sie verhindern, dass Getränke schnell auskühlen oder gefrieren. Sie fasst 0,65 Liter, ist 25,6 Zentimeter hoch und wiegt 132 Gramm, gut ein Drittel mehr als die einfache Pulsar. Drücken lässt sie sich trotzdem. Zur Wahl stehen drei Farben, Frost, Night und Snow; der Preis liegt bei 19,95 Euro.

„Besonders gut finde ich, wie lange die Pulsar Therm mein Wasser auf Touren kühlt“, ließ sich Lara Liehner zum Marktstart zitieren. Die Zahl muss man allerdings einordnen. SIGGs eigene Thermoflasche Shield Therm ONE aus Edelstahl hält laut Hersteller 36 Stunden kalt, wiegt mit einem halben Liter aber 251 Gramm und gibt auf Druck nichts her. Die Pulsar Therm ist ein Kompromiss für lange Sommertage auf dem Rad, kein Ersatz für die Thermoflasche im Rucksack.

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Pflege und Ersatzteile

Beide Flaschen dürfen laut SIGG in die Spülmaschine. Den Verschluss empfiehlt der Hersteller trotzdem abzunehmen, mit heißem Wasser auszuspülen und an der Luft trocknen zu lassen; bedruckte Flaschen wäscht man besser von Hand mit mildem Spülmittel. Verschleißt das Mundstück, muss die Flasche nicht in den Müll. SIGG verkauft es einzeln für 3,95 Euro, den ganzen Deckel für 5,95 Euro. Gedacht sind die Flaschen für viele Jahre Gebrauch, als Ersatz für Einwegflaschen.

Der Schweizer Outdoorblog „Ich liebe Berge“ hat beide Modelle 2023 getestet und 7,2 von 10 Punkten vergeben. Gelobt wurden die Dichtheit und die Handhabung, in gängige Flaschenhalter passten beide. Kritik gab es für fehlende Umweltzertifikate.

Welche SIGG-Flasche wofür

Wer bei SIGG eine Flasche aussucht, wählt zuerst das Material. Aluminium ist der Klassiker aus Frauenfeld, leicht und gut zu recyceln. Eine Traveller bleibt auch mit Kohlensäure dicht, gehört aber nicht in die Spülmaschine; SIGG empfiehlt Handwäsche mit höchstens 40 Grad. Edelstahl nutzt SIGG für Thermoflaschen, die lange isolieren; das Material verträgt laut Hersteller die Spülmaschine bis 90 Grad. Tritan sieht aus wie Glas, ist aber bruchfest und leicht. Polypropylen ist robust und günstig, und in dünner Wand lässt es sich drücken. Für die Wanderung im Rucksack bleibt die Traveller die naheliegende Wahl, für den Flaschenhalter am Rad die Pulsar.

Für wen die Pulsar gedacht ist

SIGG hat die Pulsar für den Radsport entwickelt, zum Marktstart aber auch Spinning-Kurse, Pilates und das Fitnessstudio genannt. Am Rennrad ist die Flasche mit 0,75 Litern das übliche Maß. Die kleinere mit Staubkappe passt zu Gravelbike und Mountainbike, wo Schlamm und Staub ans Mundstück spritzen. Wer im Hochsommer lange Touren fährt, nimmt die Therm, wer zur Arbeit pendelt, kommt mit der einfachen Pulsar aus.

Strecken dafür gibt es in der Schweiz genug. SIGG gehört zu den Partnern der Grand Gourmet Rides, mit denen Schweiz Tourismus 14 Radrouten mit Einkehr verbindet, von der Gravelrunde im Seetal bis zur Tremola am Gotthard.

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Was bleibt

Ferdinand Sigg setzte 1908 auf ein Metall, das als Werkstoff der Zukunft galt, und in Frauenfeld presst seine Firma bis heute Flaschen aus Aluminium. Am Rad aber zählt etwas anderes. Die Flasche muss leicht sein, sich blind greifen und drücken lassen und dicht bleiben. Dafür ist Kunststoff das passende Material.

Pulsar und Pulsar Therm auf einen Blick

Marke: SIGG Switzerland Bottles AG, Frauenfeld (Schweiz); gegründet 1908 in Biel

Auf dem Markt: seit 2022; laut SIGG entwickelt mit Fahrerinnen der Schweizer Nationalmannschaft

Material: Polypropylen (PP), laut Hersteller frei von BPA und Phthalaten

Verschluss: Mundstück mit SureSnap-Ventil, dicht auch bei offenem Verschluss; die 0,6-Liter-Version hat eine zusätzliche Staubkappe

Pulsar: 0,6 oder 0,75 Liter; mit 0,75 Litern 23,6 cm hoch, 7,3 cm Durchmesser, 97 g; mindestens zehn Farben; 14,95 Euro

Pulsar Therm: 0,65 Liter, doppelwandig, laut SIGG 4,5 Stunden kalt; 25,6 cm hoch, 7,3 cm Durchmesser, 132 g; Frost, Night, Snow; 19,95 Euro

Pflege: spülmaschinengeeignet, Verschluss besser von Hand spülen und an der Luft trocknen

Ersatzteile: Mundstück 3,95 Euro, Deckel 5,95 Euro

Preise: Stand Oktober 2026, SIGG-Onlineshop Deutschland

Website: sigg.com: Fahrrad-Trinkflaschen Pulsar

FAQ – Häufige Fragen zur SIGG Pulsar

Was ist die SIGG Pulsar?

Eine Fahrradflasche aus Polypropylen, die SIGG 2022 nach eigenen Angaben zusammen mit Fahrerinnen der Schweizer Nationalmannschaft entwickelt hat. Sie lässt sich drücken, passt laut Hersteller in viele Flaschenhalter und bleibt dank eines Ventils im Mundstück auch bei offenem Verschluss dicht. Es gibt sie mit 0,6 und 0,75 Litern sowie als isolierte Pulsar Therm.

Aus welchem Material ist die Pulsar?

Aus Polypropylen (PP). SIGG gibt die Flasche als frei von BPA und Phthalaten an. Polypropylen ist leichter als Wasser, geruchlos und für den Kontakt mit Lebensmitteln geeignet; Bisphenol A wird für diesen Kunststoff nicht verwendet.

Läuft die Pulsar aus?

Nach Angaben von SIGG nicht, auch nicht bei offenem Verschluss: Ein Ventil im Mundstück, SureSnap genannt, hält sie dicht. Im Test des Schweizer Outdoorblogs „Ich liebe Berge“ blieb sie auch kopfüber dicht.

Wie lange hält die Pulsar Therm Getränke kalt?

Laut SIGG viereinhalb Stunden. Die Flasche ist doppelwandig, fasst 0,65 Liter und wiegt 132 Gramm. Eine Thermoflasche aus Edelstahl hält deutlich länger kalt, ist aber schwerer und lässt sich nicht drücken.

Passt die Pulsar in jeden Flaschenhalter?

Sie hat 73 Millimeter Durchmesser; SIGG schreibt, sie passe in viele Flaschenhalter. Bei sehr engen oder seitlich offenen Haltern lohnt ein Versuch vor der ersten Tour.

Darf die Pulsar in die Spülmaschine?

Ja, laut SIGG ist sie spülmaschinengeeignet. Den Verschluss sollte man aber abnehmen, mit heißem Wasser ausspülen und an der Luft trocknen lassen. Bedruckte Flaschen halten länger, wenn man sie von Hand mit mildem Spülmittel wäscht.

Was unterscheidet die Pulsar mit 0,6 und mit 0,75 Litern?

Neben dem Volumen die Staubkappe: Die Version mit 0,6 Litern hat eine zusätzliche Kappe, die das Mundstück vor Staub und Schmutz schützt, praktisch auf Schotter und im Gelände.

Wie viel wiegt die Pulsar?

Die Pulsar mit 0,75 Litern wiegt nach Herstellerangabe 97 Gramm, die isolierte Pulsar Therm mit 0,65 Litern 132 Gramm. Zum Vergleich: Eine Traveller aus Aluminium mit 0,6 Litern wiegt 106 Gramm.

Was kostet die Pulsar?

Im deutschen Onlineshop von SIGG kostet die Pulsar 14,95 Euro, die Pulsar Therm 19,95 Euro (Stand Oktober 2026). Ein Ersatzmundstück kostet 3,95 Euro, ein kompletter Deckel 5,95 Euro.

Wer hat die Pulsar entwickelt?

SIGG, die Schweizer Flaschenmarke aus Frauenfeld, nach eigenen Angaben zusammen mit Annika und Lara Liehner, zwei Fahrerinnen der Schweizer Nationalmannschaft. Pulsar und Pulsar Therm kamen 2022 auf den Markt.

Seit wann macht SIGG Flaschen aus Kunststoff?

Flaschen aus Tritan und Polypropylen gehören schon länger zum Sortiment, vor allem für Kinder. Die Pulsar ist seit 2022 die Flasche, die SIGG gezielt für das Rad entwickelt hat. Bekannt geworden ist die Marke mit Aluminiumflaschen, die bis heute in Frauenfeld entstehen.

Wofür eignet sich die Pulsar außer zum Radfahren?

SIGG nannte zum Marktstart auch Spinning-Kurse, Pilates und das Fitnessstudio. Weil die Öffnung groß genug für Eiswürfel und Pulver ist, eignet sie sich zum Anmischen von Sportgetränken.


Autor Tom Jutzler
Tom Jutzler
Fotos: © SIGG