5.000 Kilometer wildes Schweden: Mit dem Sunlight IBEX 603 D bis zum Polarkreis
Der Sunlight IBEX 603 D ist neu auf dem Markt – und wir dürften eine der ersten Redaktionen sein, die ihn unter echten Langstreckenbedingungen fahren konnten: 5.000 Kilometer, drei Wochen und das erklärte Ziel, den nördlichen Polarkreis zu überqueren. Unsere Einschätzung vorweg: Der IBEX 603 D ist ein solider Reisebegleiter mit einem sehr gut abgestimmten Allradantrieb – mit einigen Detailpunkten, an denen Sunlight aus unserer Sicht noch nachlegen kann.

Die Route: 5.000 Kilometer durchs wilde Schweden bis über den Polarkreis
Drei Wochen, ein Ziel: der Polarkreis. Zwischen Start und Zielpunkt lagen für uns die intensivsten Momente der gesamten Tour in Lappland und am Polarkreis selbst. Die Route führte von Trelleborg über den Nationalpark Skuleskogen an der Hohen Küste hoch in den Norden – über Jokkmokk ins Weltnaturerbe Laponia und schließlich auf die Wilderness Road (Vildmarksvägen), tief in Schwedisch-Lappland. Jede Etappe mit einem eigenen Charakter: von der Küstenlandschaft bis in die Wildnis des Nordens.



Der Sunlight IBEX 603 D im Alltag – erster Eindruck
Wichtig für die Einordnung des gesamten Tests: Der IBEX 603 D positioniert sich als 4×4 im Entry-Segment. Das ist der Anspruch, an dem das Fahrzeug gemessen werden muss – nicht am Premium-Ausbau eines High-End-Expeditionsmobils. Vieles, was im Folgenden als Entwicklungspotenzial auftaucht, ist vor diesem Hintergrund weniger ein Versäumnis als eine bewusste Konfigurations- und Preisentscheidung.
Der IBEX 603 D basiert auf dem Ford Transit und wiegt laut Sunlight-Herstellerangabe in fahrbereitem Zustand 3.062 kg (Toleranzspanne 2.909 bis 3.215 kg). Die technisch zulässige Gesamtmasse liegt bei 3.500 kg.
Und das ist die eigentlich gute Nachricht an diesem Fahrzeug: Hier baut jemand einen Allrad-Camper, der mit dem normalen B-Führerschein gefahren werden darf. Wer nach 1999 die Fahrerlaubnis gemacht hat, kennt die 3,5-Tonnen-Grenze – alles darüber bedeutet C1 mit zusätzlicher Prüfung, Kosten und regelmäßiger Verlängerung. Ein 4×4-Campervan unterhalb dieser Marke ist damit für eine sehr große Zielgruppe überhaupt erst zugänglich.
Die verbleibende Nutzlast von rund 440 kg will trotzdem geplant sein. In der Praxis ist das gut machbar, wenn man ein paar Gewohnheiten anpasst:
- Wassertank nur so voll wie nötig füllen. 100 Liter entsprechen 100 Kilo. Auf Etappen mit sicherem Nachfüllpunkt reichen 30 bis 40 Liter locker – das sind schon 60 Kilo gespart.
- Abwassertank vor längeren Fahrten leeren, nicht erst am Zielort.
- Gasflaschen bewusst dosieren: Zwei volle 11-kg-Flaschen sind über 50 Kilo. Für die meisten Touren genügt eine volle Gasflasche, wenn man Heizung und Warmwasser über die Diesel-Kombi-Heizung betreibt.
- Ausrüstung ehrlich sortieren. Was drei Wochen ungenutzt im Heckstauraum liegt, fährt drei Wochen als reines Gewicht mit.
Voll ausgereizt mit zwei Personen, kompletter Ausrüstung und randvollen Tanks wird es knapp – das gilt aber für praktisch jeden Campervan dieser Klasse. Wer einmal durchrechnet und die Tankfüllung situativ anpasst, bleibt im Alltag problemlos im legalen Bereich.
Mit unter 6 Metern Länge bewegt sich das Fahrzeug in einer Größe, die für zwei Personen komfortabel und gleichzeitig noch alltagstauglich ist. Wer zu zweit unterwegs ist, bekommt hier ein Layout, das funktioniert.



Fahrverhalten & Praxistauglichkeit auf schwedischen Straßen
Man merkt, dass man hier ein beladenes Fahrzeug bewegt, das sich schnell in Richtung 3,5 Tonnen bewegt – das gilt allerdings für jeden Campervan dieser Klasse, nicht als Kritikpunkt am IBEX speziell. Entscheidend ist, wie das Fahrzeug damit umgeht, und hier überzeugt der IBEX 603 D:
- Allradantrieb: Arbeitet sauber, gibt spürbar Sicherheit und funktioniert auch auf losem Untergrund mit Gefälle tadellos.
- Lenkverhalten: Windböen sind spürbar, das Fahrzeug lenkt aber fast wie ein Pkw – für ein Fahrzeug dieser Klasse und dieses Gewichts bemerkenswert direkt.
- Gravel Roads: Die typischen schwedischen Schotterpisten lächelt der IBEX 603 D einfach weg – keine Herausforderung.
- Grenzen: Die Bodenfreiheit ist gering. „Offroad“ ist mit diesem Fahrzeug nicht der Anspruch – es geht um Sicherheit bei losem Untergrund, nicht um Felsblöcke oder stark verblocktes Gelände.
- Fahrprofile: Vier Modi stehen zur Verfügung:
- Normal: Für den Alltag und den täglichen Einsatz auf befestigten Straßen.
- Eco: Optimiert das Ansprechverhalten für maximale Effizienz und Kraftstoffersparnis.
- Rutschig: Minimiert das Durchdrehen der Räder auf nassen, eisigen oder verschneiten Straßen.
- Unbefestigte Straße: Erlaubt kontrollierten Radschlupf, um das Fahrzeug auf losen oder schlammigen Untergründen besser freizubekommen.
- Verbrauch: Im Schweden-Schnitt lag der Verbrauch bei 10,3 Litern.



Ford-Assistenzsysteme in der Praxis: Nicht alles hilft
Die Basis Ford Transit bringt Assistenzsysteme mit, die auf schwedischen Straßen unterschiedlich gut funktionieren:
- Spurhalte-Assistent: Auf schwedischen Straßen mehr Problem als Nutzen. Wenn ein Fahrzeug auf schmaleren Straßen entgegenkommt und man faktisch ausweichen muss, korrigiert das System gegen die Fahrsituation. Man kann das zwar übersteuern, ist aber faktisch unangenehm. Wir haben ihn während der gesamten Tour deaktiviert.
- Schilderkennung: Nicht hundertprozentig zuverlässig, aber das Tempo-Signal ist in Schweden trotzdem hilfreich – zu schnelles Fahren wird dort sehr teuer.
- Müdigkeitswarnung: Auf schwedischen Straßen kaum brauchbar. Das System löste auch dann aus, wenn wir Schlaglöchern auf den holprigen Straßen ausweichen mussten und dabei den Mittelstreifen touchierten – es interpretierte das unruhige Lenken fälschlich als Ermüdung.
Nachrüst-Empfehlung für Schweden: Unser Testfahrzeug kam ohne Xenon-Scheinwerfer und ohne Rückfahrkamera. Die Rückfahrkamera ist bei Sunlight Teil des optionalen Assistenz-Pakets Level 1 (u. a. Einparkhilfe vorn, digitale Rückfahrkamera, LED Downlight für den Innenraum) für rund 1.085 €. Xenon-Scheinwerfer lassen sich bei Sunlight direkt dazubestellen. Für Schweden bzw. Skandinavien würden wir beides fest empfehlen. Eine Lightbar oder Zusatzscheinwerfer sind für Lappland aus unserer Sicht ohnehin Pflicht, nicht Kür.



Wohnraum, Stauraum & Technik unterwegs
Geschlafen wird zu zweit im Querbett im Heck. Darüber befinden sich fünf Hängeschränke sowie eine zusätzliche Ablage – ausreichend Stauraum für eine mehrwöchige Tour. Wer im Schlafbereich USB benötigt, kann sich die USB-Dose für die Lichtschienen dazu konfigurieren.
Nasszelle: Bietet für zwei Personen ausreichend Stauraum.
Kühlkette: Mit 64 Litern Volumen fällt der Kompressorkühlschrank großzügig aus – für eine mehrwöchige Tour zu zweit spürbar komfortabler als kleinere Lösungen. Er läuft zuverlässig auf 100 % Batteriebetrieb. Wir konnten problemlos zwei Tage frei stehen, ohne Kompromisse bei der Kühlleistung.
Küche: Ein gewohnter, funktionaler Gaskocher mit zwei Brennern, eine Küchenschublade, zwei Unterschränke, eine Ablage über der Schiebetür sowie ein Waschbecken über dem Kühlschrank. Alles findet seinen Platz.
Unser Verbesserungsvorschlag ans Layout: Der Kühlschrank sitzt aktuell vor dem Bett – das macht Bewegungen im Innenraum umständlicher als nötig. Aus unserer Sicht wäre ein Kühlschrank als Slideout vorne an der Theke die elegantere Lösung. Dass Sunlight solche Layout-Fragen grundsätzlich beherrscht, zeigt der IBEX 604 D auf VW-Basis mit seinem anders geschnittenen Grundriss.
Die beiden Drehsitze vorne schaffen im Stand spürbar mehr Raum – ein einfaches, aber wirkungsvolles Detail. Die Dinette ist zweckmäßig, der ausklappbare Tisch bietet für zwei Personen ausreichend Platz. Auch die beiden zusätzlichen Sitzplätze in der Dinette sind vorhanden – auf längeren Fahrstrecken sind sie allerdings faktisch unbequem. Das ist kein IBEX-spezifisches Problem, sondern betrifft nahezu jeden Hersteller in diesem Segment.
Ein großer Frischwassertank mit 100 Litern ist vorhanden (Abwassertank: 90 Liter, beheizt). Unser Testfahrzeug kam zusätzlich mit einem Fahrradträger für zwei Räder. Der „Kofferraum“ ist großzügig bemessen – hier sehen wir Potenzial für ein nachgerüstetes Slideout-System zur besseren Organisation.



Heizung & Warmwasser: Serienmäßig kommt der IBEX 603 D mit einer Truma Combi 4 Gasheizung – das erklärt auch den Stauraum für zwei 11-kg-Gasflaschen. Unser Testfahrzeug war stattdessen mit der optionalen Truma Combi 4 Dieselheizung ausgestattet, inklusive integriertem Höhendrucksensor und digitalem Bedienpanel. Auch der Abwassertank ist beheizt. Die Heizung liefert zuverlässig Warmwasser und Wärme als Standheizung. Damit es unterwegs keine Überraschungen gibt, sollte immer ausreichend Diesel im Tank sein – nur dann arbeitet die Heizung zuverlässig.
Stromversorgung: Im Stand und während der Fahrt steht 12V zur Verfügung, 230V ausschließlich über Landstrom. Ein Konverter auf 230V sowie eine Solar-Einspeisung fehlen im Testfahrzeug – aus unserer Sicht ein sinnvolles Ausstattungs-Upgrade für alle, die abseits von Campingplätzen unterwegs sind.
Praxis-Hinweis: Bei losem Untergrund und Gefälle bewegt sich im Innenraum spürbar mehr als auf ebener Fahrbahn – Gummibänder oder eine andere Sicherung in Schränken und Ablagen sind bei einem 4×4-Fahrzeug Pflicht. Werkseitig fehlt das bislang; für uns der naheliegendste Punkt, an dem Sunlight die Allrad-Ausrichtung noch konsequenter zu Ende denken könnte.
Einzig geknarzt haben während der Fahrt die Schränke – kaputtgegangen ist dabei nichts.



Der Polarkreis – Härtetest für Fahrzeug und Fotoausrüstung
Die Landschaft wandelt sich. Der Polarkreis verläuft auf dem 66. nördlichen Breitengrad – nördlich davon geht die Sonne im Sommer nicht unter, südlich davon schon. Diese Grenze zieht sich durch Schwedisch-Lappland und Norrbotten, mitten durch das Land der Samen, die hier seit Jahrtausenden von der Rentierzucht leben.
Rentiere sind hier zuhause. Wir sehen sie ständig, überall, auf der Straße, in kleinen Gruppen, als Herde. Landschaftlich eine der schönsten Regionen unserer Tour – und gleichzeitig die, in der das Fahrzeug am meisten arbeiten musste.
Denn die Herausforderung hier heißt nicht Steigung, sondern Manövrierfähigkeit. In den abgelegenen Regionen wird Schlagloch-Slalom zur Dauerdisziplin: Man weicht aus, korrigiert, weicht wieder aus – oft bei Tempo 70, oft mit Gegenverkehr. Genau hier zahlt sich das erstaunlich direkte Lenkverhalten aus. Ein Fahrzeug, das sich träge anfühlt, wäre auf diesen Strecken schlicht anstrengend. Der IBEX bleibt berechenbar, auch wenn man ihn schnell versetzen muss.
Dazu kommt der ständige Belagswechsel. Die Asphaltschicht endet ohne Vorwarnung und geht in eine Gravel Road über – manchmal für zweihundert Meter, manchmal für zwanzig Kilometer. Matsch und Nässe kommen dazu. Wer hier permanent Fahrprofile durchschaltet, verliert den Rhythmus; wir sind die meiste Zeit im Modus für unbefestigte Straßen geblieben und haben das Fahrzeug arbeiten lassen. Der Allrad greift dabei so unauffällig ein, dass man ihn erst bemerkt, wenn man kurz darüber nachdenkt, was gerade unter den Reifen passiert.
Was diese Etappe deutlich macht: Der IBEX 603 D ist kein Fahrzeug für spektakuläre Geländeeinlagen – aber er ist eines, das nach acht Stunden schlechter Straße nicht müde macht. Für eine Tour dieser Länge ist genau das die relevantere Eigenschaft.



Lappland: Hier zeigt sich, was der IBEX kann
Lappland ist der Teil Schwedens, in dem die Entfernungen die Perspektive verändern. Zwischen zwei Ortschaften liegen hier schon mal hundert Kilometer ohne nennenswerte Infrastruktur. Was in Mitteleuropa nach Planungsproblem klingt, ist hier der eigentliche Reiz: Man fährt, bis der Ort stimmt, und bleibt dann einfach.
Und hier lohnt sich ein Blick auf einen der hartnäckigsten Irrtümer im Schweden-Camping: Das Allemansrätten, das schwedische Jedermannsrecht, gilt ausdrücklich nicht für motorisierte Fahrzeuge. Es erlaubt den Aufenthalt in der Natur zu Fuß, das Zelten für eine Nacht, das Sammeln von Beeren – aber es deckt kein Wohnmobil ab. Wer sein Fahrzeug ins freie Gelände stellt, verstößt gegen das Terrängkörningslagen, das Befahren offener Naturflächen mit Kraftfahrzeugen untersagt.
Was in der Praxis funktioniert: offizielle Stellplätze, Campingplätze sowie Park- und Rastplätze, auf denen in der Regel bis zu 24 Stunden gestanden werden darf, solange keine Beschilderung es untersagt. Auch das gehört dazu: Sobald Tisch, Stühle oder Grill draußen stehen, gilt das als Camping – und ist außerhalb dafür vorgesehener Plätze nicht erlaubt.
Die gute Nachricht: In einer Region mit dieser Bevölkerungsdichte findet man auch legal Plätze, von denen man in Mitteleuropa nur träumt. Die Freiheit ist real – sie folgt nur anderen Regeln, als der Mythos verspricht.
Für ein Fahrzeug wie den IBEX 603 D ist das der eigentliche Härtetest. Auch legales Stehen abseits der Infrastruktur bedeutet: keine Steckdose, kein Wasseranschluss, keine Entsorgungsstation. Zwei Tage autark waren mit dem 64-Liter-Kompressorkühlschrank und dem 100-Liter-Frischwassertank problemlos machbar – länger wird es ohne Solar-Einspeisung schwierig. Wer regelmäßig mehrere Tage am Stück abseits stehen will, sollte hier nachrüsten.
Wer selbst mit dem Camper nach Schweden will, sollte sich vorab mit den Regeln zum Übernachten und Freistehen vertraut machen und einen Blick auf die Nationalparks entlang der Route werfen.



Stärken, Schwächen, Fazit
Das überzeugt am IBEX 603 D:
- Bleibt unter 3,5 Tonnen – fahrbar mit dem normalen B-Führerschein
- Allradantrieb arbeitet zuverlässig auf losem Untergrund und bei Gefälle
- Lenkverhalten für ein beladen nahe 3,5 Tonnen schweres Fahrzeug sehr Pkw-nah
- Vier klar differenzierte Fahrprofile
- Kompakte Länge unter 6 Metern – ideal für zwei Personen
- Kühlschrank läuft stabil auf Batterie, zwei Tage Freistehen problemlos möglich
- Truma Combi 4 Dieselheizung mit Höhendrucksensor liefert zuverlässig Wärme und Warmwasser, beheizter Abwassertank inklusive
- Drehsitze schaffen im Stand spürbar mehr Raum
Hier sehen wir Potenzial:
Als 4×4 im Entry-Segment ist der IBEX 603 D zudem als Neufahrzeug ab 74.999 Euro erhältlich. Einige der folgenden Punkte sind damit weniger eine grundsätzliche Schwäche als eine Frage der Konfiguration und Preisstufe – Rückfahrkamera und Xenon-Scheinwerfer lassen sich beispielsweise direkt bei Sunlight dazubestellen.
- Ein Kühlschrank als Slideout an der Theke würde den Bewegungsablauf im Innenraum spürbar verbessern
- Ein 230V-Konverter mit Solar-Einspeisung würde die Autarkie abseits von Landstrom weiter stärken
- Eine werkseitige Sicherung (z. B. Gummibänder) in Schränken und Ablagen wäre ein durchdachtes Detail für die Allrad-Ausrichtung des Fahrzeugs



Unser Fazit
Für Reisende, die einen kompakten, allradgetriebenen Reisebegleiter für lange Touren abseits gut ausgebauter Straßen suchen, ist der Sunlight IBEX 603 D ab 74.999 Euro eine klare Empfehlung. Der Großteil der genannten Entwicklungspunkte lässt sich über Pakete und Konfiguration lösen – einzig für echtes, verblocktes Gelände ist das Fahrzeugkonzept konstruktionsbedingt nicht ausgelegt, was aber auch nicht der Fahrzeugkategorie entspricht.

