CARAVAN SALON 2026: Ausstellerrekord, 259.000 Besucher und ein Offroad-Bereich, der einschlägt

834 Aussteller aus 41 Ländern sind so viele wie in keinem Jahr zuvor. Und mit über 259.000 Besuchern verbucht die 65. Ausgabe das zweitstärkste Ergebnis der vergangenen fünf Jahre. In einem Marktumfeld, in dem Anschaffungen jenseits der 40.000 Euro verschoben statt getätigt werden, ist das ein bemerkenswert stabiler Wert.
Der CARAVAN SALON 2026 ist am 6. September in Düsseldorf zu Ende gegangen. Zehn Tage, 15 Hallen plus Freigelände – und zwei neue Hallen für ein Segment, das die eigentliche Dynamik der Branche trägt.
Die Besucherzahlen der letzten fünf Jahre
| Jahr | Besucher | Aussteller |
|---|---|---|
| 2022 | 235.000 | 736 |
| 2023 | 254.000 | über 750 |
| 2024 | 250.000 | 778 |
| 2025 | 269.000 | 810 |
| 2026 | über 259.000 | 834 |
Alle Werte stammen aus den Abschlussmeldungen der Messe Düsseldorf, alle Jahre liefen zehn Tage. Die Reihe ist damit sauber vergleichbar.
Was sie zeigt: Der Publikumszuspruch pendelt seit 2023 in einem Korridor zwischen 250.000 und 270.000. Der CARAVAN SALON 2026 liegt in diesem Korridor im oberen Drittel – über 2023 und 2024, unter dem Ausnahmejahr 2025.
Die Ausstellerkurve läuft dagegen seit 2022 ohne Unterbrechung nach oben: 736, über 750, 778, 810, jetzt 834. Fast 100 Aussteller mehr in vier Jahren, obwohl der Markt in dieser Zeit deutlich anspruchsvoller geworden ist. Wer eine Messebeteiligung bucht, kalkuliert fünfstellig. Diese Kurve ist deshalb das ehrlichere Stimmungsbarometer als jede Besucherzahl.
Zwei weitere Kennzahlen nennt der Veranstalter zum CARAVAN SALON 2026:
- Rund 50 Prozent der Besucher reisten mit konkreter Kaufabsicht an.
- Etwa ein Drittel war zum ersten Mal auf der Messe.
Der Einsteigeranteil ist der eigentlich wertvolle Wert. Ein Drittel Neupublikum bedeutet, dass die Kategorie weiterhin Menschen erreicht, die noch kein Fahrzeug besitzen oder Camping für sich neu entdeckt haben. Ein weiterer Faktor ist der stetig wachsende Zubehörmarkt.
Was die Aussteller sagen – und was zwischen den Zeilen steht
Die Statements zum CARAVAN SALON 2026 fallen positiv aus, aber ungewöhnlich präzise.
Carthago benennt spürbare Kaufzurückhaltung durch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und hebt gleichzeitig die Gesprächsqualität und lange Warteschlangen an den Neuheiten hervor. Die Groupe Pilote beschreibt den Markt als merklich anspruchsvoller, verweist aber auf den erfolgreichen Start des Frankia Noctra Liner 7.6. Westfalia meldet großes Interesse an Sven Hedin 50Years und Columbus Liner und nimmt nach eigener Aussage viel Motivation für 2027 mit.
Messe-Geschäftsführer Marius Berlemann ordnet das schlüssig ein: Gerade wenn große Anschaffungen zurückgestellt werden, gewinnt ein starker Branchentreffpunkt an Wert.
Unsere Lesart: Der CARAVAN SALON 2026 funktioniert als Orientierungsmesse besser denn je. Wer sechsstellige Beträge oder auch nur 40.000 Euro investiert, informiert sich gründlicher und entscheidet später – und braucht dafür genau diesen einen Ort, an dem 834 Anbieter nebeneinander stehen.
Zwei Entwicklungen stützen das Ergebnis zusätzlich. Zum einen die internationale Nachfrage: Director Stefan Koschke verweist auf starken Zulauf aus den USA, Australien, Südamerika und mehreren asiatischen Ländern. Zum anderen die politische Ebene – CIVD-Präsident Bernd Löher nutzt die Messe, um verlässliche Rahmenbedingungen und eine leistungsfähige touristische Infrastruktur einzufordern. Übersetzt: Stellplatzkapazität, Genehmigungspraxis, Planungssicherheit.
Offroad in Halle 16 und 17: das stärkste Signal des Jahres
Die strukturell wichtigste Neuerung beim CARAVAN SALON 2026 war der neu geschaffene Offroad-Bereich in den Hallen 16 und 17.
Jan Jerosch von campervanspot.com berichtet von hohem Andrang ab dem ersten Messetag. Auf dem Gemeinschaftsstand präsentierten sich sieben Manufakturen. Als Beleg für die Marktdynamik nennt er die eigene Plattform: über 150 Manufakturen und rund 6.500 Campingfahrzeuge, darunter zahlreiche Offroad-Modelle.
Aufschlussreich ist seine Beobachtung zur Motivlage. Die Nachfrage richtet sich seiner Darstellung nach weniger auf klassische Offroad-Abenteuer als auf Individualität und Unabhängigkeit beim Reisen. Das deckt sich mit dem, was wir bei Fahrzeugen aus dem Manufaktursegment regelmäßig sehen: Gekauft wird die Möglichkeit, nicht der Einsatzzweck.
Dass die Messe diesem Segment zwei eigene Hallen widmet, während das klassische Reisemobilgeschäft mit Zurückhaltung kämpft, ist die klarste strategische Aussage des Jahres.
Dachzelte, Selbstausbau und die Themenwelten
Neben Offroad bespielte der CARAVAN SALON 2026 die Bereiche StarterWelt, Abenteuer Selbstausbau, Travel & Nature, Equipment & Outdoor und Dachzelte sowie ein B2B-Konferenzprogramm.
Aus dem Dachzeltsegment kam mit dem Roof Space Dachzelt Lift eine der praxisnäheren Neuheiten: eine Montagehilfe, die das Aufsetzen eines Dachzeltes auf das Fahrzeugdach spürbar vereinfachen soll. Geschäftsführer Jakob Heider kündigt für 2027 bereits die nächste Entwicklung an.
Genau hier liegt die Reife der Kategorie. Dachzelte sind mechanisch weitgehend ausentwickelt; die relevanten Fortschritte passieren inzwischen an der Peripherie – Montage, Gewicht, Lagerung. Wer das Handling löst, löst das eigentliche Problem.
Kürzere Aufenthalte, gleiche Reiselust
Die aus unserer Sicht folgenreichste Beobachtung des CARAVAN SALON 2026 stammt nicht von einem Fahrzeughersteller, sondern aus der Campingplatzbranche.
Dieter Lübberding vom Königlichen Campingpark Sanssouci, der am Stand von PremiumCamps e.V. 20 Campingparks vertrat, beschreibt eine klare Verschiebung: Die Menschen fahren weiterhin gern in den Campingurlaub, bleiben aber tendenziell kürzer an einem Ort. An den Wochenenden standen besonders viele Familien am Stand, erreicht wurden Gäste aller Altersklassen.
Für Plätze bedeutet das kürzere Standzeiten, mehr Wechsel, höheren Betriebsaufwand pro Übernachtung. Für Reisende bedeutet es eine volatilere Buchungslage: kurzfristige Verfügbarkeit steigt, planbare Verfügbarkeit sinkt.
Wer regelmäßig unterwegs ist, sollte diesen Trend ernster nehmen als jede Fahrzeugneuheit dieser Messe.
Einordnung: eine Branche, die sich verschiebt statt schrumpft
Der CARAVAN SALON 2026 war eine starke Messe. Über 259.000 Besucher an zehn Tagen sind ein Wert, von dem nahezu jede andere europäische Publikumsmesse nur träumen kann, und 834 Aussteller sind eine ernstzunehmende Vertrauensbekundung der Industrie.
Was sich verändert, ist nicht die Größe des Interesses, sondern seine Richtung. Ein Drittel Einsteiger und 50 Prozent Kaufabsicht sind keine Krisenwerte. Die Nachfrage verschiebt sich lediglich – vom Serienmodell zur Manufaktur, vom Großformat zum Kompakten, vom langen Standurlaub zur kurzen Route.
Die Fünfjahresreihe stützt genau diese Lesart: Seit 2022 hat der CARAVAN SALON 2026 rund 24.000 Besucher hinzugewonnen und fast 100 Aussteller. Das ist kein Boom mehr. Es ist etwas Belastbareres – ein Markt, der sich auf hohem Niveau eingependelt hat.
Alle Besucher- und Ausstellerzahlen basieren auf den Abschlussmeldungen der Messe Düsseldorf. Die FKM-geprüften Werte des AUMA weichen in einzelnen Jahren geringfügig ab (2023: 256.326 Besucher, 2025: 270.421 Besucher).
Foto: ©Messe Düsseldorf/ctillmann

