In der Nacht zum 1. November brennt bei Athboy in der irischen Grafschaft Meath ein Samhain-Feuer. Auf dem Hügel Tlachtga am Ortsrand sollen sich einst die Druiden Irlands versammelt haben, so hat es der Chronist Geoffrey Keating im 17. Jahrhundert aufgeschrieben. An ihrem Feuer habe das ganze Land seine Herdfeuer neu entzündet. Ob das stimmt, weiß niemand. Als Ausgangspunkt für die Frage, woher Halloween kommt, taugt der Hügel trotzdem.
Kurz erklärt
Woher kommt Halloween? Die kurze Antwort
Halloween stammt aus Irland und Schottland. Der Name ist christlich: „Hallowe’en“ ist eine schottische Kurzform von „All Hallows’ Even“, dem Abend vor Allerheiligen am 1. November. Viele Bräuche, vom Verkleiden bis zur geschnitzten Laterne, verbinden Volkskundler mit Samhain, dem gälischen Fest zum Winteranfang, das am Abend des 31. Oktober begann. Wie eng beides zusammenhängt, ist unter Historikern umstritten. Im 19. Jahrhundert nahmen irische und schottische Auswanderer ihre Bräuche mit nach Nordamerika. Dort wurde aus der Rübenlaterne der Kürbis, und die Formel „Trick or treat“ kam auf. Nach Deutschland gelangte Halloween in größerem Stil erst in den 1990er-Jahren.
01 · Ursprung
Samhain: das gälische Fest zum Winteranfang
Samhain, gesprochen etwa „Sau-in“, ist bis heute das irische und schottisch-gälische Wort für November. In Irland, Schottland und auf der Isle of Man hieß so auch das Fest am 1. November, mit dem die dunkle Hälfte des Jahres begann. Weil der Tag nach gälischer Zählung mit dem Sonnenuntergang anfing, feierte man schon am Vorabend. Die Halloween-Nacht heißt auf Irisch deshalb Oíche Shamhna, Samhain-Nacht. Die Waliser kannten zum selben Termin Calan Gaeaf, den Anfang des Winters.
Der Termin hatte einen handfesten Kern. Anmerkungen zum Senchas Már, einer frühmittelalterlichen irischen Rechtssammlung, halten fest, dass man das Vieh um Beltaine im Mai auf die Sommerweiden trieb und um Samhain zurückholte. War die Herde wieder im Tal, zählte man die Vorräte und entschied, welche Tiere den Winter über gefüttert und welche geschlachtet wurden. Die Ernte war eingebracht, die Nächte wurden lang.

Um Samhain holten die Bauern ihr Vieh von den Sommerweiden zurück.
In den ältesten irischen Erzählungen, entstanden im 9. und 10. Jahrhundert, ist Samhain eine Zeit großer Zusammenkünfte. Es wird gegessen und getrunken, Könige halten Hof und erlassen Gesetze. Auch das Fest von Tara, dem Sitz der legendären Hochkönige, findet in diesen Texten an Samhain statt. Zugleich gilt die Nacht als durchlässig. Die Hügel der Anderswelt, irisch síd, stehen offen, und ihre Bewohner kommen heraus. Der Krieger Nera folgt in der Sage „Echtra Nerai“ einer Geisterschar, die in der Samhain-Nacht durch eine Höhle bei Cruachan in diese andere Welt zieht.
Einen keltischen Totengott namens Samhain hat es nie gegeben.
Aufgeschrieben haben diese Geschichten allerdings christliche Mönche, Jahrhunderte nach der Christianisierung Irlands. Der britische Historiker Ronald Hutton weist darauf hin, dass keine der Erzählungen heidnische Rituale zu Samhain schildert. Den einzigen Bericht über Opfer und ein Druidenfeuer liefert Geoffrey Keating, der 1644 starb. Woher er sein Wissen hatte, ist unbekannt.
Zwei verbreitete Annahmen halten einer Prüfung nicht stand. Einen keltischen Totengott namens Samhain hat es nie gegeben. Die Figur geht auf Charles Vallancey zurück, einen britischen Offizier und Landvermesser, der im 18. Jahrhundert über irische Altertümer schrieb und einen Gott „Saman“ erfand; in der mittelalterlichen Literatur findet sich davon nichts. Auch das „keltische Neujahr“ ist jünger, als es klingt. Die Idee verbreiteten im späten 19. Jahrhundert die Gelehrten John Rhys und James Frazer, Hutton hält die Belege dafür für dünn.
Selbst der Name ist nicht geklärt. Oft wird Samhain mit „Sommerende“ übersetzt. Die Sprachwissenschaftler Xavier Delamarre und Ranko Matasović führen das Wort dagegen auf eine keltische Wurzel für „Versammlung“ zurück; Delamarre denkt an eine Versammlung der Lebenden und der Toten. Ein möglicher Verwandter steht auf einer Bronzetafel, die 1897 im ostfranzösischen Coligny gefunden wurde. Der gallische Kalender aus dem 2. Jahrhundert nennt einen Monat SAMON und vermerkt dazu „drei Nächte“. Ob er mit dem irischen Fest zu tun hat, ist offen.
02 · Name
All Hallows’ Eve: Warum Halloween Halloween heißt
Der Name führt nicht zu den Kelten, sondern in den Kirchenkalender. 609 erklärte Papst Bonifatius IV. den 13. Mai zum Gedenktag aller Märtyrer. Um 800 feierten Kirchen in England und im Gebiet des heutigen Deutschlands bereits am 1. November ein Fest aller Heiligen, 835 legte das Frankenreich Allerheiligen offiziell auf diesen Tag. Um das Jahr 1000 kam Allerseelen am 2. November hinzu, eingeführt von Abt Odilo für die Klöster von Cluny. Mit dem Vorabend ergaben die beiden Feiertage drei Tage des Totengedenkens, im Englischen Allhallowtide.
„Hallow“ ist ein altes englisches Wort für einen Heiligen, „even“ heißt Abend. Die Wendung „All Hallows’ Even“, der Abend vor Allerheiligen, ist 1556 zum ersten Mal schriftlich belegt. Die Schotten schliffen sie zu „Hallowe’en“ ab. Zum Durchbruch verhalf dieser Form wohl Robert Burns. Der schottische Dichter schrieb 1785 sein Gedicht „Halloween“, 1786 erschien es im Druck. Die Landleute in Ayrshire, die Burns darin beschreibt, wollen vor allem eines wissen: wen sie einmal heiraten. Dafür legen sie Nüsse ins Feuer, ziehen Kohlstrünke aus dem Acker oder essen vor dem Spiegel einen Apfel.

Halloween ist nach dem Vorabend von Allerheiligen benannt.
03 · Forschung
Ist Halloween heidnisch? Was Historiker sagen
Lange galt als ausgemacht, dass die Kirche Allerheiligen auf den 1. November legte, um Samhain zu verdrängen. Die These stammt im Wesentlichen von James Frazer, der selbst einräumte, keinen historischen Beleg zu haben. Ronald Hutton und der englische Volkskundler Steve Roud widersprechen ihr. Der Novembertermin habe sich in England und im Frankenreich durchgesetzt, während die irische Kirche ihr Allerheiligenfest damals am 20. April beging. Roud bezweifelt sogar grundsätzlich, dass Halloween auf Samhain zurückgeht. Andere Forscher halten es für möglich, dass irische Gelehrte am fränkischen Hof den Termin mitgeprägt haben.
Viele Fachleute beschreiben Halloween heute als Mischung, die über Jahrhunderte gewachsen ist. Name, Datum und das Gedenken an die Toten kommen aus dem Christentum. Feuer, Verkleidung, Orakelspiele und die Angst vor Wesen der Anderswelt gehören zum Volksglauben Irlands und Schottlands, der neben den kirchlichen Festen weiterlebte und sie färbte. Wie viel davon tatsächlich vorchristlich ist, lässt sich kaum sagen. Die meisten Bräuche sind erst seit der frühen Neuzeit schriftlich überliefert.
04 · Laterne
Rübe statt Kürbis: Woher die Halloween-Laterne kommt
Vor dem Kürbis kam die Rübe. In Irland und im schottischen Hochland höhlten junge Leute im 19. Jahrhundert Steckrüben und Runkelrüben aus, schnitten Fratzen hinein und setzten eine Kerze ein. Mit diesen Laternen zogen sie durch die Dunkelheit oder stellten sie ins Fenster. Je nach Gegend sollten die Gesichter Geister darstellen oder sie fernhalten.
Wie so eine Laterne aussah, zeigt das irische Volkskundemuseum, das National Museum of Ireland – Country Life in Turlough Park bei Castlebar in der Grafschaft Mayo. Ausgestellt ist der Gipsabguss einer Rübenlaterne aus Fintown in der Grafschaft Donegal, ein schmales Gesicht mit verkniffenem Ausdruck. Eine Lehrerin brachte das Original 1943 ins Museum, weil in ihrer Gegend niemand mehr solche Laternen schnitzte; um 1900 seien sie dort üblich gewesen. Als die Rübe zu zerfallen begann, ließ das Museum den Abguss anfertigen. Der Eintritt ist frei, rund um Halloween gibt es Führungen und ein Familienprogramm.


Erst die Rübe, dann der Kürbis: In Nordamerika bekam die irische Laterne eine neue Form.
Den Namen Jack O’Lantern erklärt eine irische Legende. Der geizige Jack legt den Teufel mehrmals herein und nimmt ihm das Versprechen ab, seine Seele nie zu holen. Nach seinem Tod lässt ihn der Himmel nicht ein, und der Teufel hält Wort. Er wirft Jack ein Stück glühende Kohle zu. Jack legt sie in eine ausgehöhlte Rübe und irrt seither mit seiner Laterne umher.
In Nordamerika griffen die Einwanderer zum Kürbis. Er stammt vom amerikanischen Kontinent, wuchs dort reichlich und ließ sich leichter aushöhlen als eine harte Steckrübe. Aus der Fratze wurde mit der Zeit das orangefarbene Grinsen, das heute für Halloween steht.
Vor dem Kürbis kam die Rübe.
Verschwunden ist die Rübe nicht. Auf der Isle of Man feiert man am 31. Oktober Hop-tu-Naa, nach Angaben der Kulturorganisation Culture Vannin der älteste ununterbrochen gepflegte Brauch der Insel. Kinder tragen ausgehöhlte Rüben, auf Manx „moots“, von Haus zu Haus und singen dazu Hop-tu-Naa-Lieder. Einen entfernten Verwandten gibt es in der Schweiz. Dort ziehen im November vielerorts Kinder mit Räbeliechtli durch die Straßen, Laternen aus Herbstrüben. Den größten Umzug veranstaltet Richterswil am Zürichsee, jeweils am zweiten Samstag im November, mit rund 30 Tonnen Rüben und etwa 50.000 Kerzen.
05 · Brauchtum
Süßes oder Saures: Seelenkuchen, Verkleidungen und Streiche
Der Gang von Tür zu Tür hat mehrere Vorläufer. Einer ist christlich. In England verteilte man schon im Mittelalter an Allerseelen kleine Seelenkuchen, die „soul cakes“. Später zogen vor allem in Shropshire, Cheshire und Lancashire Arme und Kinder zum „Souling“ von Haus zu Haus. Sie sangen und versprachen, für die Verstorbenen der Familie zu beten. Ähnliche Bräuche sind aus Flandern, Süddeutschland und Österreich überliefert. In Teilen Süddeutschlands und Österreichs schenken Paten ihren Patenkindern bis heute zu Allerheiligen einen Striezel, einen geflochtenen Hefezopf.
Ein anderer Vorläufer ist das „Guising“, in Schottland seit dem 16. Jahrhundert belegt. Junge Männer zogen mit Masken, verhüllten oder geschwärzten Gesichtern von Hof zu Hof, sagten Verse auf und erwarteten dafür etwas zu essen. Wer sie abwies, musste mit Unfug rechnen. Aus dem Jahr 1895 ist ein Bericht über Verkleidete in Schottland überliefert, die mit Rübenlaternen von Haus zu Haus gingen und Kuchen, Obst oder Geld bekamen.
Die Formel „Trick or treat“ ist jünger, als viele vermuten. Gedruckt erschien sie zum ersten Mal im November 1927 in einer Lokalnachricht aus Blackie, einem Dorf in der kanadischen Provinz Alberta: Jugendliche seien dort an Halloween mit diesen Worten von Haus zu Haus gezogen. US-Zeitungen druckten die Formel ab 1934, eine landesweite Zeitschrift erstmals 1939. Anfang der 1950er-Jahre war der Brauch so verbreitet, dass Walt Disney ihm einen Zeichentrickfilm widmete.
Die deutsche Fassung „Süßes oder Saures“ kam mit dem Halloween-Boom der 1990er-Jahre. Fremd war das Prinzip hierzulande nicht. Beim Martinssingen ziehen Kinder in manchen Regionen seit Langem mit Laternen von Tür zu Tür und singen für Süßigkeiten.
Zu Samhain gehörte in Irland auch der Blick in die Zukunft. Ein Klassiker ist Barmbrack, ein Hefebrot mit Trockenfrüchten; wer den eingebackenen Ring findet, heiratet der Überlieferung nach als Nächstes. Beim Apfeltauchen fischen Kinder mit dem Mund nach Äpfeln, die in einer Wasserschüssel treiben. Und eine Regel aus dem Volksglauben passt zu jeder Herbstwanderung: Nach Samhain pflückt man keine Brombeeren mehr. Der Púca, ein Gestaltwandler, der als Pferd oder Ziege auftreten kann, spuckt in der Samhain-Nacht angeblich auf die Sträucher. Ganz unvernünftig ist das nicht. Anfang November sind die letzten Beeren ohnehin meist verschrumpelt oder schimmlig.


Süßes oder Saures!? – Manchmal beides gleichzeitig.
06 · Auswanderung
Wie Halloween nach Amerika kam
Nach Amerika reiste Halloween im Gepäck von Auswanderern. Schotten verließen ihre Heimat im 19. Jahrhundert in großer Zahl, und aus Irland trieb die Große Hungersnot zwischen 1845 und 1855 mehr als zwei Millionen Menschen fort, etwa ein Viertel der Bevölkerung. Die meisten gingen nach Nordamerika und nahmen mit, was sie an Bräuchen kannten.
Dort veränderte sich das Fest. Das schottische „Guising“ ist in Nordamerika zum ersten Mal 1911 belegt, in einer Zeitung aus Kingston in Ontario. Zwischen den Weltkriegen gehörten Streiche und kleine Sachbeschädigungen in Kanada und den USA so selbstverständlich zu Halloween, dass der Historiker Nicholas Rogers von ritualisiertem Vandalismus spricht. Aus dieser Zeit stammt auch „Trick or treat“, die Ankündigung, dass es ohne Gabe einen Streich gibt.
In den 1950er-Jahren war der Gang von Tür zu Tür ein fester Brauch für Kinder. 1953 startete UNICEF in den USA die erste landesweite Aktion, bei der Kinder an Halloween Spenden für das Kinderhilfswerk sammelten. Heute bewegt Halloween dort Milliarden. Der Handelsverband National Retail Federation (NRF) rechnete für 2026 mit Ausgaben von 13,5 Milliarden US-Dollar, rund 115 Dollar pro Person. Das meiste Geld fließt in Kostüme, knapp dahinter folgen Dekoration und Süßigkeiten.

In Nordamerika wurde aus den Bräuchen der Einwanderer ein Fest mit Kürbis und Kostüm.
Halloween in Zahlen
Erster schriftlicher Beleg für „All Hallows’ Even“
„Trick or treat“ erscheint erstmals gedruckt, in Alberta (Kanada)
Mehr als zwei Millionen Menschen verlassen Irland zwischen 1845 und 1855
Halloween-Umsatz im deutschen Handel 2026, Prognose des HDE
07 · Deutschland
Seit wann feiert man Halloween in Deutschland?
In Deutschland kannten viele Halloween lange nur aus Filmen und aus dem Umfeld amerikanischer Kasernen. Bei Darmstadt feierten US-Soldaten 1977 Halloween auf der Burg Frankenstein, einer Ruine auf einem rund 370 Meter hohen Ausläufer des Langenbergs. Daraus wuchs eines der ältesten Halloween-Festivals im Land. Dass die Burg Mary Shelley zu ihrem Roman „Frankenstein“ angeregt haben soll, wird gern erzählt, belegt ist es nicht. Nach 2023 zog das Festival auf die Burg Königstein im Taunus um. Die Ruine bei Darmstadt lässt sich außerhalb von Veranstaltungen frei erkunden.

Hat was von Fasching im Herbst. Man muss die Feste feiern, wie sie fallen!
Den Durchbruch brachte ein Krieg. Im Januar 1991 begann der Zweite Golfkrieg, und in Deutschland wurden reihenweise Faschings- und Karnevalsveranstaltungen abgesagt, darunter der offizielle Kölner Rosenmontagszug. Kostümhersteller und Händler blieben auf ihrer Ware sitzen. Die Fachgruppe Karneval im Deutschen Verband der Spielwaren-Industrie warb daraufhin für ein Kostümfest im Herbst. Das Konzept ging auf, zuerst vor allem in Norddeutschland, wo Karneval wenig Tradition hat.
Heute ist Halloween ein fester Termin im Handel. Der Handelsverband Deutschland (HDE) erwartete für 2026 rund 537 Millionen Euro Umsatz mit Süßigkeiten, Kostümen und Dekoration, fast 70 Prozent mehr als 2019. Dabei planen nur knapp 15 Prozent der Befragten überhaupt Ausgaben für das Fest. Der Umsatz wächst also, während der Kreis der Käufer klein bleibt.
Gut zu wissen
Der 31. Oktober ist Reformationstag und gesetzlicher Feiertag in Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen. Allerheiligen am 1. November ist in Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland ein stiller Feiertag, öffentliche Tanzveranstaltungen sind dort eingeschränkt. In Bayern etwa gilt das Tanzverbot ab 2 Uhr nachts. Für Halloween-Partys lohnt deshalb ein Blick in die Regeln des eigenen Bundeslandes.
08 · Reise
Auf den Spuren von Samhain: Reiseziele in Irland
Die Ursprünge von Halloween lassen sich in Irland auf überschaubarem Raum besuchen. Die wichtigsten Orte liegen in der Grafschaft Meath, rund eine Autostunde nordwestlich von Dublin, und in Roscommon in der Inselmitte. Ende Oktober ist das Wetter wechselhaft, Wiesen und Feldwege sind nass, gegen 17 Uhr wird es dunkel. Gummistiefel oder wasserdichte Wanderschuhe gehören ins Gepäck.
Alter Königssitz von Connacht. Aus der Höhle Oweynagat kamen der Sage nach in der Samhain-Nacht Wesen der Anderswelt.
Samhain-Feuer bei Athboy, das Ganggrab auf dem Hill of Tara rund 20 Kilometer östlich und das Púca-Festival in Trim und Athboy.
Abguss einer Rübenlaterne aus Donegal. Eintritt frei.
Halloween-Festival Ende Oktober, mit Umzug und Feuerwerk am 31. Oktober.
Am Ostrand von Athboy hebt sich ein flacher Hügel aus den Weiden. Seine ringförmigen Wälle sind vom Boden aus schwer zu erkennen, aus der Luft dafür deutlich. Hier soll nach Keatings Darstellung das Feuer gebrannt haben, an dem Irland in der Samhain-Nacht seine Herdfeuer neu entfachte. Ab 2014 grub ein Team des University College Dublin unter dem Archäologen Steve Davis auf dem Hügel. Es fand mindestens drei Bauphasen und Spuren intensiver Feuer aus der Zeit um 500 nach Christus. Davis bleibt vorsichtig. Die Brandspuren mit Samhain-Feuern gleichzusetzen, sei verlockend, aber schwer zu beweisen; sie könnten auch von Metall-, Keramik- oder Glasverarbeitung stammen.
Der Hügel liegt auf privatem Farmland. Seit einigen Jahren kommen in der Samhain-Nacht wieder Menschen dort zusammen und entzünden ein Feuer, außerdem lädt das Púca-Festival am 31. Oktober in Athboy zum Entzünden des Samhain-Feuers ein. Tagsüber lässt sich ein Besuch mit dem Boyne Valley Drive verbinden, einer Autoroute zu den Denkmälern der Region, an der auch der Hill of Ward liegt.
Rund 20 Kilometer weiter östlich liegt der Hill of Tara, nach der Überlieferung Sitz der irischen Hochkönige. Bei klarer Sicht sieht man von hier hinüber zum Hill of Ward. Die mittelalterlichen Texte verlegen das große Fest von Tara, die feis Temro, auf Samhain. Älter als alle Sagen ist Dumha na nGiall, der „Hügel der Geiseln“, ein rund 5000 Jahre altes Ganggrab. Sein kurzer Gang ist so ausgerichtet, dass die aufgehende Sonne Anfang November und Anfang Februar, um Samhain und Imbolc, bis in die Kammer fällt. Zwischen den Erdwerken grasen Schafe. Nicht weit vom Grab steht der Lia Fáil, ein aufrechter Stein, der nach der Sage aufbrüllte, wenn ihn der rechtmäßige König berührte.
Bei Tulsk in der Grafschaft Roscommon liegt Rathcroghan, das alte Cruachan, Königssitz der Provinz Connacht und Schauplatz vieler Sagen. Unter einem Weißdorn öffnet sich dort Oweynagat, die „Höhle der Katzen“. Ein künstlich angelegter Zugang führt in einen engen, hohen Gang. Nach den mittelalterlichen Erzählungen kamen aus dieser Höhle in jeder Samhain-Nacht Ungeheuer aus der Anderswelt, die das Land für den Winter bereit machten. Christliche Schreiber nannten sie später das Tor zur Hölle.
Mike McCarthy, Guide und Forscher in Rathcroghan, erklärte dem Magazin National Geographic, woher die Verkleidung an Halloween kommen könnte. Wer in jener Nacht draußen unterwegs war, habe sich selbst als Ungeheuer getarnt, um nicht in die Anderswelt gezogen zu werden.
Die Höhle liegt auf Privatland, Besuche organisiert das Besucherzentrum in Tulsk. Drinnen ist es schlammig, dunkel und eng, festes Schuhwerk und Kleidung, die schmutzig werden darf, sind Pflicht. Rund um Halloween bietet das Zentrum eine eigene Samhain-Führung an. Sie endet am Höhleneingang, ist ab Mitte September buchbar und schnell ausgebucht.
Wer lieber feiert, als in Höhlen zu steigen, hat zwei Adressen. In Derry~Londonderry in Nordirland läuft Ende Oktober über mehrere Tage ein Halloween-Festival, das sich als das größte Europas bezeichnet. Am 31. Oktober bilden ein Umzug und ein Feuerwerk den Abschluss, die historische Stadtmauer dient als Kulisse. Die meisten Programmpunkte sind kostenlos. 2026 feiert das Festival sein 40-jähriges Bestehen.
In der Grafschaft Meath richtet das Púca-Festival seit 2019 rund um Halloween mehrere Tage mit Musik, Erzählabenden und Feuershows in Trim und Athboy aus. Benannt ist es nach dem Gestaltwandler aus der irischen Sage. Feste Programmpunkte sind die Púca-Prozession in Trim und das Entzünden des Samhain-Feuers in Athboy.
Praktisch
- Anreise: per Flug nach Dublin. Wer mit dem eigenen Camper fährt, nimmt eine Fähre ab Frankreich, etwa ab Cherbourg.
- Museum: Den Abguss der Rübenlaterne aus Donegal zeigt das National Museum of Ireland – Country Life in Turlough Park bei Castlebar. Der Eintritt ist frei.
- Früh buchen: Samhain-Führungen in Rathcroghan und Festivaltickets sind schnell vergriffen, Unterkünfte rund um Halloween ebenso.
- Licht: Bei Terminen nach Einbruch der Dunkelheit gehört eine Stirnlampe in die Jackentasche.
09 · Ausblick
Ein Fest auf Wanderschaft
Eine einzelne Geburtsstunde hat Halloween nicht. Der Name kommt aus dem Kirchenkalender. Viele Bräuche stammen aus dem Volksglauben Irlands und Schottlands und wurden meist erst in der Neuzeit aufgeschrieben. „Trick or treat“ stand zuerst in einer kanadischen Lokalnachricht, und die Kürbislaterne ist eine amerikanische Abwandlung der irischen Rübe. Seit den 1990er-Jahren ist das Fest zurück in Europa, als Kostümparty und als Geschäft.
Die älteren Spuren liegen noch in der Landschaft, etwa im Ganggrab auf dem Hill of Tara oder in der Höhle unter dem Weißdorn bei Tulsk. Wer Ende Oktober zwischen grasenden Schafen an einem dieser Orte steht und gegen fünf Uhr das Licht schwinden sieht, ahnt, warum Menschen diese Nacht seit Jahrhunderten mit Geschichten füllen.

Ende Oktober wird es in Irland gegen 17 Uhr dunkel.



