Roof Space 2 im Langzeittest: Von Schweden bis Albanien

Wer 3.600 Euro für ein Dachzelt ausgibt, hat das Recht auf eine ehrliche Einschätzung – keine nach sechs Testnächten, sondern nach einem Jahr. Das Roof Space 2 war in 12 Ländern dabei, von Schweden bis Albanien. Hier kommt der ausführliche Dachzelt-Test über das Roof Space 2.
In diesem Beitrag
- Was das Roof Space 2 verspricht – und was es tatsächlich hält
- Konstruktion und Verarbeitung nach einem Jahr
- Aufbau und Alltagsroutine
- Schlafen: Matratze, Komfort und Kondensation
- Wetter: Von Schweden bis Albanien
- Panoramamodus: Mehr als ein Feature
- Was das Roof Space 2 nicht kann
- Zubehör und Lieferumfang
- Bewertung der Redaktion
- Häufige Fragen
- Technische Daten
Was das Roof Space 2 verspricht – und was es tatsächlich hält
Das Roof Space 2 tritt mit einem Konzeptversprechen an, das auf dem Dachzeltmarkt neu war: Hartschale plus Klappdachzelt, in einem Produkt, ohne die üblichen Kompromisse beider Kategorien. Kein kleines Packmaß gegen zu wenig Liegefläche. Kein langer Aufbau gegen großzügigen Innenraum. Das Roof Space 2 soll beides verbinden – und trägt dafür seit 2024 zu Recht den German Design Award.
Nach einem Jahr, 12 bereisten Ländern und einer Route, die vom schwedischen Hochsommer bis in die albanische Adria reicht, lässt sich sagen: Das Konzept hält im Wesentlichen, was es verspricht. Aber es gibt Punkte, die man nach intensivem Gebrauch anders bewertet als nach der ersten Auspackrunde.


Konstruktion und Verarbeitung nach einem Jahr
Die Aluminiumschale zeigt nach intensivem Einsatz das, was man von Aluminium erwartet: vereinzelte Kratzer an den Kanten, keine Verformungen. Die Gasdruckfedern, mit denen sich das Zelt halbautomatisch öffnet, arbeiten nach wie vor sauber und ohne spürbaren Kraftverlust. Das interne Stahlseil-System im Hängebrücken-Prinzip – das konstruktive Alleinstellungsmerkmal, das die Leiter als statisches Stützelement überflüssig macht – sitzt nach wie vor stramm.
Der Zeltstoff aus 320 g/m² Polyester-Ripstop mit 3.000 mm Wassersäule zeigt keinerlei Delaminierungserscheinungen und keine Schwachstellen an den Nähten. Ob Balkanregen in Montenegro, schwedischer Dauernebel oder die direkte Mittagssonne über der kroatischen Küste: Das Material hat sich nicht verändert.
Was sich nach einem Jahr schärfer zeigt, ist die Montage-Lösung für den Dachträger. Die Befestigungsplatten sind gerade, flach und unbeschichtet – bei mehrfachem Ab- und Aufbau verkratzen sie den Dachträger, wenn man nicht konsequent Schutzunterlagen einsetzt. Für Nutzende, die das Zelt dauerhaft montiert lassen, ist das kein Thema. Für alle anderen: Klebeband oder Gummipads als Zwischenlage von Anfang an einplanen.
Was die Langlebigkeit des Roof Space 2 grundsätzlich absichert: Sämtliche Einzelteile sind beim Hersteller als Ersatzteile erhältlich und lassen sich austauschen. Das ist im Dachzelt-Segment keine Selbstverständlichkeit und verändert die Kalkulation über die Laufzeit des Produkts erheblich. Wer eine Gasdruckfeder, eine Federstahlstange oder einen Reißverschluss tauschen muss, kauft kein neues Zelt – sondern ein Ersatzteil.
Die Teleskopleiter war nie eine Schwachstelle. Lediglich der Transport bedarf einer festen Routine: Bleibt die Leiter drin, wird das Schließen je nach Bettwäsche-Volumen eng. Pragmatische Lösung, die sich schnell einspielt: Leiter im Kofferraum, Schlafsack bleibt im Zelt. Alles okay.



Aufbau und Alltagsroutine
Zwei Minuten Aufbau – das stimmt für normale Autos. Auch nach Hunderten von Wiederholungen. Mit dem VW Bus brauchen wir aufgrund der Fahrzeughöhe etwas länger. Die Gasdruckfeder öffnet die Schale, vier Federstahlstangen spannen Eingang und Seitenfenster auf, fertig. Keine Stangen suchen, kein Gestänge einschlaufen, kein Fluchen bei Wind. Das ist der deutlichste Vorteil gegenüber klassischen Faltdachzelten – und er bleibt ein Vorteil, jeden einzelnen Abend, egal ob nach einer langen Fahrt durch Belgien oder nach einer kurvigen Passstraße in Slowenien.
Zwei Details, die dabei unterschätzt werden: Die Federstahlstangen und der Spezialgurt zum Öffnen und Zuziehen der Schale sind direkt im Aluminiumdeckel verstaut – kein separates Stangenbündel, das man abends sucht oder morgens vergisst. Die Teleskopleiter hängt per patentiertem Quick-Release-System ein: einrasten, fertig, kein Verschrauben, kein Wackeln. Wer das einmal gewohnt ist, will das smarte System nicht mehr tauschen.
Der Abbau braucht im eingespielten Rhythmus fünf bis sechs Minuten bei unserem Fahrzeug. Die Zughilfsschlaufe, mit der man die Schale herunterzieht, lässt sich fixieren, bis der Stoff vollständig in der Box sitzt – ein kleines, aber durchdachtes Detail, das den Abbau alleine verlässlich macht.
Auf der Fahrt: Mit dem Roof Space 2 auf dem Dach ist das Fahrgeräusch spürbar erhöht. Auf der Autobahn reguliert sich das durch den allgemeinen Geräuschpegel des Fahrzeugs. Die aerodynamische Aluschale hält den Mehrverbrauch im Vergleich zu klassischen Faltdachzelten in Grenzen – relevant wird das auf langen Etappen, etwa bei Transitfahrten durch Österreich oder den Balkanrouten.



Schlafen: Matratze, Komfort und Kondensation
Die 6 cm dicke TPU-Schaumstoffmatratze (205 × 135 cm) ist nach einem Jahr noch in Form. Keine Druckstellen, keine nachlassende Stützwirkung. Die integrierte Anti-Kondensationsmatte aus 3D-Mesh erfüllt ihren Zweck: Feuchtigkeit, die nachts vom Körper abgegeben wird, kann zirkulieren, ohne sich an der Unterseite zu sammeln.
Wichtig für die Praxis: Die Matratze füllt den Innenraum nicht vollständig aus. Der aufgeklappte Innenraum misst 250 × 150 cm, die Liegefläche 205 × 135 cm – an Kopf- und Fußende bleibt damit nutzbarer Stauraum für Gepäck, Schuhe oder Kameraausrüstung. Wer viel unterwegs ist, weiß, was das bedeutet: Das Zelt schläft sich nicht nur gut, es organisiert sich auch. Genau hier punktet das Roof Space 2 gegenüber klassischen Hartschalen-Hubzelten, die den Innenraum mit der Matratze weitgehend füllen.
Kondensation ist trotzdem ein Thema – in jedem Dachzelt, unabhängig vom Hersteller. Das Roof Space 2 schneidet hier besser ab als klassische Faltdachzelte mit Vollstoffwänden, aber: Bei niedrigen Außentemperaturen und geschlossenem Panoramafenster kondensiert Feuchtigkeit an der Aluminiuminnenseite der Schale. Das lässt sich durch konsequente Nutzung der Lüftungsoptionen – Seitenfenster aufgestangt, Eingangsbereich einen Spalt geöffnet – deutlich reduzieren.
Wer regelmäßig bei Temperaturen unter 5 °C schläft, sollte das optionale Thermo-Innenzelt einkalkulieren. Ohne es reicht ein Schlafsack bis −5 °C für komfortables Schlafen.


Wetter: Von Schweden bis Albanien
12 Länder bedeuten ein breites Klimaspektrum. Der Bereich, den diese Route abdeckt, reicht vom skandinavischen Sommer mit kurzen Nächten, hoher Luftfeuchtigkeit und gelegentlichen Sturmtiefs bis zu trockener Balkanhitze mit Küstengewittern.
Das Zelt blieb in allen Verhältnissen dicht. Die 3.000 mm Wassersäule ist keine Werbeaussage – auch nach langem Starkregen hat der Zeltstoff keine Feuchtigkeit durchgelassen.
Der härteste Test war Küstenwind im nördlichen Albanien. Das Roof Space 2 rattert bei Windböen hörbar – die Aluminiumschale überträgt Schall direkter als Stoff. Im Innern war es trocken und strukturell stabil. Das Stahlseilsystem bewährt sich genau in diesen Momenten: Kein seitliches Nachgeben, kein Verdrehen des Zeltbodens. Wichtig ist, dass du in dieser Situation die Lage richtig einschätzt und das Zelt mit dem Ziehgurt am Fahrzeug oder in der Erde fixierst, damit das Roof Space nicht durch zu starken Wind zusammenklappt.
Der angenehmste Moment war der andere Extremfall: Ein stiller Abend an einem schwedischen See, Temperatur um 14 °C, Panoramamodus vollständig geöffnet. Das Zelt wird zur Dachterrasse. Das ist kein Feature für die Produktseite – das ist ein Grund, warum man dieses Zelt anderen vorzieht.


Panoramamodus: Mehr als ein Feature
Der Panoramamodus funktioniert in zwei Stufen: Die Stirnwand des Zelteingangs öffnet vollständig, die Seitenfenster lassen sich mit Federstahlstangen aufspannen. Das ergibt einen halboffenen Terrassen-Charakter, der bei mildem Wetter das Schlafen unter freiem Himmel annähert, ohne auf Witterungsschutz zu verzichten.
Relevant ist das nicht nur für Ausblicke. An heißen Sommerabenden – gerade in Südeuropa – ist der vollständig belüftete Modus der einzige Weg, komfortabel zu schlafen. Die schwarze Aluminiumschale heizt sich bei direkter Sonneneinstrahlung stark auf. Wer in südlichen Regionen campt, plant die Fahrzeugausrichtung am Stellplatz entsprechend.
Das optionale Moskitonetz für den Panoramamodus ist in Skandinavien – speziell in Schweden – keine optionale Überlegung. Wer das weglässt, verzichtet besser auf die Terrassenfunktion oder teilt sich das Zelt mit den schwedischen Knots.

Was das Roof Space 2 nicht kann
An dieser Stelle keine Liste konstruierter Kritikpunkte. Das Roof Space 2 ist kein Ganzjahreszelt ohne Zusatzausrüstung – wer im Winter campt, braucht das Thermo-Innenzelt und je nach Temperaturbedingungen auch eine mobile Standheizung. Das trifft auf die meisten Dachzelte zu. Es ist kein leichtes Dachzelt: 67 kg sind für viele Kleinwagen eine ernsthafte Frage der Dachlast, die man vor dem Kauf klärt, nicht danach.
Was das Zelt kann, tut es zuverlässig, durchdacht und ohne Abnutzungserscheinungen nach einem Jahr. Das ist in dieser Produktkategorie keine Selbstverständlichkeit.
Zubehör und Lieferumfang
Das Roof Space 2 kommt mit einem vollständigen Lieferumfang:
- 1× Dachzelt
- 1× Integriertes LED-Licht
- 1× Schaumstoffmatratze (6 cm TPU) mit integrierter Anti-Kondensationsmatte
- 1× Teleskopleiter (260 cm, Quick-Release-System)
- 4× Federstahlstangen
- 4× Klammern zur Befestigung am Dachträger
- 1× Spezialgurt
- 1× Schuhtasche
Was darüber hinaus verfügbar ist, zeigt, dass Roof Space das Produkt als System verstanden hat. Das Zubehör-Ökosystem deckt praktisch jede Erweiterung ab: das Moskitonetz für den Panoramamodus, das großflächige Tarp „Light Awning“ als Markisenlösung, das Anbauzelt „Family Base“ für einen vollwertigen Vorraum am Boden sowie das Thermo-Innenzelt für den Winterbetrieb. Alle Erweiterungen sind aufeinander abgestimmt und lassen sich am Zelt befestigen, ohne zusätzliche Adapter. Wer das Roof Space 2 als Basislager versteht, hat hier eine konsequent durchdachte Plattform.
Bewertung
Das Roof Space 2 ist eines der überzeugendsten Hybrid-Dachzelte, die man aktuell kaufen kann – nicht weil es fehlerlos ist, sondern weil Roof Space als Pionier in dem Segment die richtigen Entscheidungen getroffen hat. Hier merkt man, dass der Hersteller die Nutzererfahrungen direkt im Produktdesign aufgreift. Das beginnt beim Öffnen der Hartschale und endet beim Einschlafen. Das Stahlseil-Stabilitätssystem ist ein echter konstruktiver Fortschritt. Die Liegefläche für zwei Personen ist großzügig. Der Aufbau funktioniert nach etlichen Malen genauso wie nach dem ersten. Und der Panoramamodus ist, wenn das Wetter mitspielt, das eindrücklichste Schlaferlebnis, das ein Fahrzeugdach bieten kann.
Der Preis von 3.599 Euro ist hoch. Er ist aber kein Wucher: Das Material hält, das Konzept funktioniert, der Hersteller liefert Ersatzteile und steht hinter dem Produkt. Wer ein Dachzelt kauft, das langfristig mitfährt – nicht nur für den Urlaub, sondern für alles dazwischen –, bekommt hier ein Gerät, das diese Anforderung erfüllt.
Von Schweden bis Albanien. Und wieder zurück.
Redaktionelle Anmerkung: Das getestete Modell wurde für diesen Test vom Hersteller als Testmuster zur Verfügung gestellt. Die Bewertung spiegelt die eigene Einschätzung und Erfahrung der Redaktion wider und ist unabhängig.


