Klettern im Winter – warum Malta und Gozo dafür perfekt sind
Klettern im Winter: Wenn bei uns der Fels tagelang feucht bleibt, die Finger schon beim Einbinden kalt werden und die Sonne gefühlt nur noch aus Kalenderbildern existiert, kommt irgendwann diese eine Frage auf: Wohin entkommen – ohne gleich ans andere Ende der Welt zu fliegen?
Viele denken dann an die üblichen Verdächtigen rund ums Mittelmeer. Verständlich – nur sind genau diese Klassiker zwischen Herbst und Frühling oft erstaunlich voll. Und manchmal sehnt man sich nicht nur nach guten Routen, sondern auch nach ein bisschen Luft zwischen den Seilschaften.
Genau hier taucht Malta (mit der kleineren Schwesterinsel Gozo) als stiller, unterschätzter Kandidat auf. Ein Archipel aus Kalkstein, viel Küste, viele kurze Zustiege – und dieses besondere Winterlicht, das alles heller macht, selbst die Pausentage. Malta ist kein „Hidden Gem“ mehr im strengen Sinn, aber im Vergleich zu den überlaufenen Hotspots fühlt es sich vielerorts immer noch so an: ein Revier, das man sich erarbeiten darf – und das einen dafür mit Meerblick bezahlt.
Fünf Gründe und Tipps für deinen Kletterurlaub auf Malta
Im Folgenden findest du fünf gute Gründe (plus konkrete Tipps), warum sich Malta für einen Klettertrip in der kühlen Jahreszeit lohnt – und am Ende sechs nützliche Infos, die dir die Planung erleichtern.
1. Mildes Klima, viel Licht – und Fels, der schnell wieder trocken wird
Malta ist berühmt für Sonne. In der Praxis heißt das: Auch wenn es im Winterhalbjahr mal regnet, sind das häufig kurze Schauer statt tagelanger Landregen-Phasen. Der Kalkstein trocknet vielerorts zügig, und du hast gute Chancen, am gleichen Tag wieder einzusteigen – manchmal reicht schon ein Standortwechsel von windstill zu windig oder von schattig zu sonnig.
Wichtig ist die Einordnung: Die Sommer können brutal heiß werden – eher eine Saison fürs Meer als für Reibung und präzise Tritte. Die angenehmste Kletterzeit liegt in vielen Jahren zwischen Herbst und Frühjahr. Gerade, wenn du aus Mitteleuropa kommst, fühlt sich ein Januartag mit T-Shirt-Potenzial fast wie ein kleiner Trick an.
Tipp für die Planung:
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Herbst ist oft ideal, wenn du Klettern gern mit Schwimmen kombinierst – das Meer hat noch Wärme gespeichert.
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Frühjahr punktet mit angenehmen Temperaturen an der Wand, aber das Wasser kann noch frisch sein.
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Winter funktioniert oft erstaunlich gut, besonders wenn du flexibel bist und Wind/Sonne mitdenkst.
Mini-Checkliste für „Kletterwetter“ auf Malta:
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Wind kann Gold wert sein (Fels trocknet, Temperaturen fühlen sich kletterfreundlicher an).
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Südseiten: angenehm im Winter.
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Nordseiten/Schattencanyons: perfekt, wenn’s doch mal warm wird.
2. Routenvielfalt auf engem Raum – vom Genuss bis zum Projekt
Wie viele Routen es auf Malta und Gozo genau sind, hängt davon ab, wen du fragst – die Angaben schwanken teils stark. Klar ist: Für einen Kletterurlaub gibt es mehr als genug Auswahl. Die Inseln bieten Sportklettereien in vielen Sektoren, teils sehr kompakt verteilt. Das macht die Tage leicht: Frühstück, 10–15 Minuten Zustieg, los geht’s. Und wenn eine Wand doch nicht passt (Sonne/Wind), wechselst du eben.
Charakteristisch ist, dass viele Routen im mittleren Schwierigkeitsbereich liegen – perfekt für gemischte Seilschaften oder für Wochen, in denen man viel klettern will, ohne sich jeden Tag zu zerlegen. Gleichzeitig finden sich auch härtere Linien, die Trainingstage und Projektsessions rechtfertigen.
Tipp: So holst du mehr aus der Routenauswahl heraus
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Plane pro Tag zwei Optionen: eine sonnige, eine schattige.
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Nimm ein bisschen Spielraum bei der Seillänge mit: Manche Sektoren sind mit 60–70 m Seil entspannter (je nach Topo).
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Stell dich darauf ein, dass nicht alles „leichter Klettergarten“ ist: Malta hat Traditionen, die aus einer abenteuerlicheren Zeit stammen.
3. Griffiger Kalkstein, maritime Formen – und ein Hauch Abenteuerkultur
Der maltesische Fels ist Kalk, oft griffig, manchmal in Küstennähe auch schärfer. Was viele feiern: Du triffst häufig auf Strukturen, die noch nicht „abgeklettert“ wirken. Wenig Politur, viel Textur – das kann im Winterhalbjahr ein echter Motivationsschub sein.
Bei der Absicherung gilt: In vielen Klettergärten ist sie gut, aber nicht jeder Meter ist uniform „superkomfortabel“. Historisch haben sich auf Malta auch Kletterstile gehalten, in denen Selbstabsicherung eine Rolle spielt – insbesondere bei anspruchsvolleren Linien oder älteren Routen. Das ist kein Grund zur Panik, aber ein Grund, sich bewusst vorzubereiten: Topo lesen, Stil prüfen, und im Zweifel defensiv wählen.
Tipp: Material & Mindset
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Für reine Sportklettertage reicht meist das übliche Setup.
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Wenn du auch tradige Linien anpeilst: Keile, Friends, Schlingen – und die Kompetenz, sie sicher zu setzen.
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Helm ist an Küstenklippen oft mehr als „nice to have“ (Wind, salzige Luft, teils brüchigere Zonen je nach Wand).
4. Klippen, Meer, Deep Water Soloing – Klettern mit Salzgeruch in der Nase
Es gibt Orte, da ist die Wand nur Wand. Und es gibt Orte, da ist die Wand ein Aussichtspunkt, ein Windkanal, ein Geräusch aus Wellen, das von unten heraufkommt. Malta und Gozo gehören für viele klar zur zweiten Kategorie: Klettern am Meer hat einen eigenen Rhythmus – etwas wilder, etwas freier.
Besonders eindrucksvoll sind die Küstenklippen mit ihren Bögen, Höhlen und Überhängen. Einige Spots bieten das, was man sonst nur aus Filmen kennt: lange, steile Passagen über tiefem Blau. Wer Lust auf spektakuläre Fotomomente hat (oder schlicht auf dieses Gefühl, dass die Welt unter dir „weiter“ wird), findet auf beiden Inseln entsprechende Spielplätze.
Und dann ist da noch Deep Water Soloing (DWS): seilfrei klettern, fallen (kontrolliert!) ins Wasser, wieder hoch, wieder rein. Malta gilt hier nicht zufällig als spannendes Ziel, denn Steilküste gibt es reichlich. Gleichzeitig gilt: DWS ist nicht einfach „Klettern ohne Seil“, sondern eine Disziplin mit eigener Sicherheitslogik.
DWS-Tipp, der wirklich zählt:
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Checke Einstieg, Ausstieg und Wassertiefe extrem sorgfältig.
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Am besten nie alleine, und nur mit klarer Einschätzung von Wellengang, Strömung, Bootstraffic.
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Auch im Mittelmeer kann Wasser kalt sein – Unterkühlung ist real, wenn du oft fällst oder lange im Wasser bist.
5. Kurze Anreise, einfache Logistik – und oft erstaunlich gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
Malta ist aus Mitteleuropa relativ schnell erreichbar. Viele Verbindungen sind direkt, die Flugzeit ist oft im Bereich von etwa 2 bis 3 Stunden. Vor Ort ist die Insel überschaubar: Du brauchst keine epischen Roadtrips, um zum nächsten Sektor zu kommen. Das macht Malta so angenehm für kurze Zeitfenster – verlängerte Wochenenden funktionieren, eine Woche sowieso.
Für Gozo kommt noch die Fähre dazu, die wie ein kleines Übergangsritual wirkt: Du lässt die Hauptinsel hinter dir, und plötzlich fühlt sich alles etwas ruhiger an. Preise und Takte können sich ändern, aber grundsätzlich ist das Übersetzen unkompliziert.
Beim Budget punktet Malta häufig auf zwei Ebenen:
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Unterkünfte: von Apartment bis Hotel ist viel vorhanden, außerhalb der Hochsommermonate oft entspannter bepreist.
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Essen & Alltag: Selbstversorgung ist gut möglich; Essen gehen ist vielerorts bezahlbar – und schmeckt nach Mittelmeer statt nach Kompromiss.
Tipp für die Unterkunft:
Camping ist auf Malta/Gozo nicht überall so unkompliziert wie in manchen anderen Kletterregionen. Offizielle Plätze sind begrenzt, Regeln fürs Wildcampen teils streng. Wer stressfrei reisen will, fährt mit einem Apartment häufig besser – auch um nasse Ausrüstung zu trocknen.
Kulinarischer Bonus (unterschätzt für die Psyche):
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Ein schneller Snack zwischendurch: Pastizzi (gefüllte Blätterteigtaschen) sind so etwas wie die kleine, warme Belohnung nach dem letzten Run.
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Lokale Klassiker wie Kaninchen-Gerichte gehören zur maltesischen Küche – nicht jedermanns Sache, aber kulturell typisch.
Kleine Zugabe: Outdoor funktioniert auch ohne Kletterschuhe
Selbst wenn du primär wegen der Routen kommst: Malta ist ein gutes Ziel, wenn eine Gruppe nicht nur klettern will – oder wenn du Pausentage sinnvoll füllen möchtest.
Paddeln/Kajak:
Die Küste ist wie gemacht für Perspektivwechsel. Vom Wasser aus wirken Klippen noch massiver, Höhlen und Einbuchtungen werden erreichbar, und du entdeckst Badestellen, die zu Fuß oft weniger naheliegend sind. Geführte Touren sind sinnvoll, wenn du Strömung, Wind und lokale Spots nicht kennst.
Wandern:
Gerade im Frühjahr verändern sich die Inseln: mehr Grün, mehr Duft, mehr Leben in der Landschaft. Küstenpfade liefern dramatische Ausblicke, und das Inselinnere bietet ruhige Wege abseits der Hotspots. Ideal, wenn du die Unterarme einen Tag lang in Frieden lassen willst.
Weiterführende Infos findest du auf: